// 05Versionen und Formate
Was kann Ihre TIA-Version, und was nicht?
Zeile /05 der Liste oben hat fast immer dieselbe Ursache: die Version. Über den ersten Eindruck von Git im TIA Portal entscheidet nicht das Repository, sondern das Format, in dem das Engineering exportiert. Die Matrix sagt Ihnen in einer Zeile, wo Sie stehen.
Version
Openness
VCI
Hinweis
V16
Skript-Export
VCI Git Connector (Add-In)
Git nur über separates Add-In oder Openness-Skripte.
V17
Openness Standard
— / Add-In
Openness Teil der Installation, kein integriertes VCI.
V18
Openness Standard
VCI integriert (XML)
Erstes integriertes Version Control Interface, Export überwiegend XML.
V19
Openness Standard
VCI integriert (XML)
VCI wie ab V18 vorhanden, Export weiterhin überwiegend XML.
V20
Openness Standard
VCI integriert
VCI ausgebaut, breitere Steuerungsunterstützung.
V21
Openness verbessert
VCI mit LAD/FBD/SCL
Textbasierter, Standard-Git-diff-fähiger Export — komfortabelster Stand.
Eine ehrliche Einordnung: Vor V21 war das diff-fähige Arbeiten mit TIA-Quelltext eher ein Versprechen als ein Werkzeug. Der XML-Export war zwar textbasiert, für einen lesbaren Review taugte er kaum. Erst der Export von LAD, FBD und SCL in V21 macht aus „technisch versionierbar“ einen Review-Workflow, in dem sich ein Pull Request auch fachlich diskutieren lässt.
Wer heute anfängt, sollte diese Grenze kennen, statt ältere Versionen schönzureden. Dafür lohnt sich der Weg: In unseren Projekten kippt die Stimmung im Team meist dann, wenn ein Review den ersten Baustein-Fehler vor der Inbetriebnahme fängt statt danach.
TIA Portal V21 und Git: was der LAD/FBD/SCL-Export ändert
In TIA Portal V21 exportiert das Version Control Interface Bausteine als textbasiertes LAD, FBD und SCL — der entscheidende Unterschied zum überwiegend XML-basierten Export ab V18. Ein git diff zeigt damit die fachliche Änderung statt einer Umsortierung von XML-Knoten, und ein Pull Request wird zum Ort, an dem zwei Automatisierer über Logik reden statt über Dateiformate. Am Git-Workflow selbst ändert V21 nichts: Workspace anlegen, Objekte übernehmen, mit einem externen Client committen — die vier Schritte oben gelten unverändert.
Der Unterschied ist im Review sofort sichtbar. Links eine Änderung an einer Freigabebedingung, wie sie im textbasierten Export ankommt — lesbar, kommentierbar, in der Historie auffindbar:
git diff — FB_Freigabe.scl (schematisch, gekürzt)
$ git diff HEAD~1 -- PLC_1/ProgramBlocks/FB_Freigabe.scl
@@ -42,7 +42,10 @@ IF #Startanforderung AND NOT #Stoerung THEN
- #Freigabe := TRUE;
+ // Freigabe erst nach Quittierung — Nacharbeit KW32, Linie 3
+ IF #Quittierung_Bediener THEN
+ #Freigabe := TRUE;
+ END_IF;
END_IF;Vor V21 stand an derselben Stelle ein XML-Block mit Attribut-IDs, in dem dieselbe Änderung zwar technisch enthalten, aber praktisch nicht lesbar war. Wer heute auf V21 steht, sollte deshalb genau diesen Unterschied nutzen: Reviews auf Baustein-Ebene einführen, statt Commits nur als Backup zu fahren. Und wer noch auf V18 bis V20 arbeitet, verliert nichts — Repository-Struktur, .gitignore und CI/CD bleiben beim Upgrade identisch, nur die Diffs werden lesbar.
TIA Portal V20 und Git
In TIA Portal V20 ist das Version Control Interface fest integriert. Workspace, Drag-&-Drop-Export und die Git-Anbindung über einen externen Client funktionieren wie ab V18, mit breiterer Steuerungsunterstützung. Der Export ist in V20 allerdings noch überwiegend XML-basiert. Bausteinvergleiche gelingen im TIA Portal selbst, ein Standard-Git-Diff bleibt sperrig. Wer den textbasierten LAD/FBD/SCL-Export will, braucht das Upgrade auf V21. Am Git-Workflow ändert der Wechsel nichts.
Was sind SIMATIC Source Documents (SIMATIC SD)?
SIMATIC Source Documents, kurz SIMATIC SD, ist das textbasierte Quelltextformat, in dem TIA Portal Bausteine für S7-1200, S7-1500 und S7-1200 G2 exportiert und wieder importiert. Siemens selbst beschreibt es als Brücke zu moderner Versionsverwaltung. Eingeführt wurde das Format mit V20, damals über Openness und den Projekt-Export erreichbar. Der Sprung für Git kam mit V21, weil dort das Version Control Interface direkt in SIMATIC SD schreibt. Deshalb zeigt ein git diff auf einem V21-Workspace die fachliche Änderung und nicht mehr eine Umsortierung von XML-Knoten.
Falls Sie noch auf V18 bis V20 stehen: Verzeichnisstruktur, .gitignore und Commit-Disziplin sind dieselben, beim Upgrade ändert sich am Repository nichts. Wer dagegen auf V21 wartet, bevor überhaupt ein Repository existiert, verschenkt die Zeit, in der die Historie hätte wachsen können.
Damit ist die Frage nach der Version beantwortet. Offen bleibt die, die im Erstgespräch danach kommt: Wie sieht das erste Repository konkret aus, und in welcher Reihenfolge legt man es an? Genau daran entscheidet sich, ob Sie die binäre Projektdatei später wieder aus der Historie holen müssen.