Was ist das TIA Portal und wofür wird es genutzt?
Das TIA Portal (Totally Integrated Automation Portal) ist die zentrale Engineering-Plattform von Siemens für die industrielle Automatisierung. Genutzt wird es für die SPS-Programmierung mit STEP 7, die HMI-Projektierung mit WinCC und die Antriebsparametrierung mit Startdrive — vor allem für die Steuerungen S7-1200 und S7-1500. Über das Version Control Interface (VCI) und die Openness-API lässt sich der SPS-Code mit Git versionieren und in CI/CD-Pipelines integrieren.
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Das TIA Portal (Totally Integrated Automation Portal) ist die Engineering-Software von Siemens, die das gesamte Engineering einer Automatisierungslösung in einer Oberfläche bündelt: SPS-Programmierung mit STEP 7 in den IEC-61131-3-Sprachen KOP, FUP und SCL, HMI-Projektierung mit WinCC und Antriebsparametrierung mit Startdrive. Für die Steuerungen der Serien S7-1200 und S7-1500 — seit TIA Portal V20 auch für die neue Gerätegeneration S7-1200 G2 — ist es die maßgebliche Plattform im deutschsprachigen Maschinenbau und damit eng mit der SPS/PLC-Programmierung verknüpft. Genau diese Integration ist Stärke und Herausforderung zugleich, denn das native Projektformat ist proprietär und binär — für klassische Versionskontrolle ungeeignet. Was das praktisch heißt, erlebt jedes Team, in dem zwei Kollegen parallel dieselbe Bibliothek ändern: Das Projektformat kennt kein Merge, und einer von beiden verliert am Ende einen Tag Arbeit.
Zwei Schnittstellen öffnen das TIA Portal für Industrial DevOps. Das Version Control Interface (VCI) exportiert Bausteine und Bibliotheken in textbasierte Formate, die sich sinnvoll in Git diffen und mergen lassen. Die Openness-API erlaubt darüber hinaus die programmgesteuerte Automatisierung des TIA Portal — Projekte öffnen, Bausteine importieren, kompilieren und exportieren per Skript. Damit wird ein automatisierter Build aus einer Pipeline heraus überhaupt erst möglich.
In der Praxis bedeutet das: Eine CI-Pipeline kann TIA-Projekte über die Openness-API auf einem Build-Agent kompilieren, exportierte Quellen versionieren und Konsistenzprüfungen ausführen. Stolpersteine sind die Lizenz- und Versionsbindung — Openness und VCI sind eng an die installierte TIA-Portal-Version gekoppelt —, der Bedarf an einem Windows-Build-Agent mit installiertem TIA Portal sowie die Disziplin, konsequent über VCI statt direkt im Binärprojekt zu arbeiten. Ohne diese Disziplin verpufft der Versionierungsvorteil.
Automatisierter TIA-Build per Openness-API
Ein Maschinenbauer richtet einen Windows-Build-Agent mit installiertem TIA Portal ein, der über die Openness-API Projekte öffnet, kompiliert und Bausteine exportiert — der erste Schritt zu einer echten CI-Strecke für SPS-Code.
Mergefähige Bibliotheken über VCI
Ein Team exportiert wiederverwendete Funktionsbaustein-Bibliotheken über das Version Control Interface in Git, sodass Änderungen reviewbar sind und parallele Entwicklung an Bibliotheken nicht mehr zu schwer auflösbaren Binärkonflikten führt.
- Welche Programmiersprachen unterstützt das TIA Portal?
- STEP 7 im TIA Portal unterstützt die Sprachen der IEC 61131-3: KOP (Kontaktplan), FUP (Funktionsplan), SCL (Structured Control Language, ein strukturierter Text) sowie AWL und S7-Graph für Ablaufsteuerungen. Für die Versionierung ist SCL besonders dankbar, weil der Quelltext direkt als Textdatei exportierbar und damit in Git sauber diffbar ist.
- Warum lässt sich ein TIA-Projekt nicht einfach in Git versionieren?
- Weil das native TIA-Projektformat proprietär und binär ist und keine sinnvollen Diffs oder Merges erlaubt. Erst der Export über das Version Control Interface erzeugt textbasierte Quellen, die Git verständlich vergleichen und zusammenführen kann. Ohne diesen Zwischenschritt verkommt Git zu reiner Datei-Ablage.
- Was unterscheidet das VCI von der Openness-API?
- Das Version Control Interface dient dem strukturierten Export und Import von Bausteinen für die Versionskontrolle. Die Openness-API ist die umfassendere Programmierschnittstelle, mit der sich das TIA Portal komplett automatisieren lässt — Projekte öffnen, kompilieren, importieren. Für eine CI-Strecke werden meist beide kombiniert.
- Braucht eine CI-Pipeline für das TIA Portal einen eigenen Build-Server?
- Ja, in der Regel einen Windows-Agent mit installiertem TIA Portal und passender Openness-Version, da das Kompilieren die native Engineering-Software erfordert. Lizenz- und Versionsbindung sind dabei sorgfältig zu planen, weil Openness eng an die jeweils installierte TIA-Portal-Version gekoppelt ist.
- Was kann man mit dem TIA Portal machen?
- Alles, was zum Engineering einer Siemens-Automatisierungslösung gehört: SPS-Programme für S7-1200/1500 schreiben und testen (STEP 7), Bedienoberflächen für Panels und PC-Stationen projektieren (WinCC), Antriebe parametrieren (Startdrive), die Hardware-Konfiguration der Anlage pflegen und Diagnose im laufenden Betrieb fahren. Über Openness-API und VCI lässt sich das Engineering zusätzlich automatisieren und versionieren — vom Skript-gesteuerten Kompilieren bis zur CI/CD-Pipeline.
- Welche Lizenzen gibt es für das TIA Portal?
- Siemens lizenziert das TIA Portal je Komponente: STEP 7 Basic deckt nur die S7-1200 ab, STEP 7 Professional zusätzlich die S7-1500; WinCC und Startdrive werden separat lizenziert. Die Verwaltung übernimmt der Automation License Manager, auch als Floating-Lizenz im Netzwerk. Für CI/CD relevant: Der Build-Agent braucht eine eigene Engineering-Lizenz, da Kompilieren die installierte Software voraussetzt.
- Was bedeutet TIA Portal?
- TIA Portal steht für Totally Integrated Automation Portal. Der Name beschreibt das Konzept dahinter: Siemens bündelt das gesamte Engineering einer Automatisierungslösung — SPS-Programmierung mit STEP 7, HMI-Projektierung mit WinCC und Antriebstechnik mit Startdrive — in einer durchgängig integrierten Oberfläche statt in getrennten Einzelwerkzeugen. Diese gemeinsame Datenbasis ist zugleich der Grund, warum sich das native Projektformat nur über das Version Control Interface sinnvoll versionieren lässt.
- Ist das TIA Portal kostenlos?
- Nein, das TIA Portal ist eine kommerzielle Siemens-Software, die je Komponente lizenziert wird — STEP 7 Basic, STEP 7 Professional, WinCC und Startdrive werden getrennt erworben und über den Automation License Manager verwaltet. Für einen ersten Eindruck bietet Siemens zeitlich begrenzte Trial-Lizenzen an, mit denen sich die Engineering-Umgebung ohne Kauf ausprobieren lässt. Eine dauerhaft kostenfreie Vollversion gibt es nicht.
- Welche Version des TIA Portal ist aktuell?
- Die aktuellen Hauptversionen sind TIA Portal V20 und V21. V20 brachte unter anderem die Unterstützung der neuen Steuerungsgeneration S7-1200 G2; ältere Stände wie V17 bis V19 bleiben in der Industrie breit im Einsatz, weil produktive Projekte an eine freigegebene Version gebunden sind. Für eine CI/CD-Anbindung ist die genaue Version entscheidend, weil die Openness-API und das Version Control Interface eng an die jeweils installierte TIA-Portal-Version gekoppelt sind.
Wo steht Ihr Team bei TIA Portal?
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