Was ist eine SPS?
Eine Speicherprogrammierbare Steuerung (SPS, englisch PLC für Programmable Logic Controller) ist ein Industriecomputer, der Maschinen und Anlagen in Echtzeit steuert. SPS-Programme entstehen in den Sprachen der IEC 61131-3, etwa Strukturierter Text oder Kontaktplan, typischerweise in Umgebungen wie dem Siemens TIA Portal. Die SPS bildet das Rückgrat der industriellen Automatisierung. Welcher Hersteller welches Engineering-Tool nutzt und wie git-tauglich es ist, zeigt der SPS-Hersteller-Vergleich.
Auch bekannt als: SPS · PLC · Speicherprogrammierbare Steuerung · Programmable Logic Controller
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Eine SPS arbeitet in einem festen Zyklus. Zu Beginn liest sie alle Eingänge ein und legt ihren Zustand in einem Speicherbereich ab, dem Prozessabbild. Dann arbeitet sie das Programm ab und rechnet dabei mit diesem Abbild statt mit Signalen, die sich während des Durchlaufs ändern könnten. Am Ende schreibt sie die Ergebnisse auf die Ausgänge, und der Zyklus beginnt von vorn, oft im einstelligen Millisekundenbereich. Weil jeder Durchlauf gleich abläuft und eine Zeitüberwachung (Watchdog) die Steuerung bei zu langem Zyklus in einen definierten Zustand bringt, reagiert eine SPS vorhersagbar. Das unterscheidet sie von einem Büro-PC, auf dem ein Update oder Virenscanner jederzeit Rechenzeit abziehen kann.
Wie ist eine SPS aufgebaut? Klassisch aus Netzteil, CPU mit Speicher für Programm und Daten, digitalen und analogen Ein- und Ausgabebaugruppen sowie einer Feldbus- oder Ethernet-Schnittstelle wie PROFINET, EtherCAT oder EtherNet/IP, über die Sensoren, Aktoren und dezentrale Peripherie angebunden sind. Modulare Systeme wie die Siemens S7-1500 oder die Beckhoff-Klemmen lassen sich baugruppenweise erweitern, kompakte Steuerungen wie die S7-1200 bringen I/O auf der CPU-Baugruppe mit. Daneben gibt es Soft-SPS, die als Software auf einem Industrie-PC laufen, TwinCAT ist das bekannteste Beispiel. Für sicherheitsgerichtete Funktionen wie Not-Halt oder Schutztürüberwachung gibt es Safety-SPS nach IEC 61508, deren Programm getrennt vom Standardprogramm gepflegt und freigegeben wird.
Welche Programmiersprachen gibt es für SPS? Die Norm IEC 61131-3 definierte lange fünf: Kontaktplan (KOP, englisch LD), Funktionsbausteinsprache oder Funktionsplan (FUP, englisch FBD), Strukturierter Text (ST), Ablaufsprache (AS, englisch SFC) und Anweisungsliste (AWL, englisch IL). Die vierte Ausgabe der Norm vom Mai 2025 hat die Anweisungsliste gestrichen, nachdem sie seit der dritten Ausgabe von 2013 als veraltet galt. Hersteller dürfen AWL weiter anbieten, sie ist nur nicht mehr Teil des Standards. Kontaktplan und Funktionsplan sind grafisch und stammen aus der Welt der Schaltpläne, der Elektriker an der Anlage liest sie ohne Einarbeitung. Strukturierter Text ist eine Hochsprache mit Pascal-Verwandtschaft und trägt heute die aufwendige Logik wie Rezepturen, Berechnungen und Kommunikation. Die Ablaufsprache gliedert Schrittketten, etwa den Ablauf einer Füllstation von „Behälter einfahren“ bis „Deckel schließen“.
Die Hersteller setzen die Norm mit eigenen Namen um. Siemens nennt Strukturierten Text im TIA Portal SCL (Structured Control Language). AWL gibt es dort noch für S7-300, S7-400 und S7-1500, die S7-1200 kennt sie nicht. Beckhoff TwinCAT und CODESYS-basierte Systeme folgen der Norm eng und nennen die Sprache ST. Rockwell Automation programmiert in Studio 5000 vor allem in Ladder Logic und Structured Text, dazu Function Block Diagram und Sequential Function Chart. Für Versionierung und CI ist die Sprachwahl wichtig. Strukturierter Text und SCL liegen als Klartext vor und lassen sich in Git zeilenweise diffen. Grafische Sprachen brauchen dafür einen Export in ein textbasiertes Format, etwa über das Version Control Interface (VCI) des TIA Portal oder als PLCopen XML.
Lange waren SPS-Programme von moderner Softwareentwicklung abgeschnitten. Projekte lagen in proprietären Binärformaten, ein Diff zeigte nichts Brauchbares, und einen Review-Prozess gab es nicht. Heute lässt sich der Code über das VCI und die Openness-API des TIA Portal textbasiert exportieren, in Git versionieren und in einer CI/CD-Pipeline prüfen. Getestet wird zuerst gegen eine simulierte Steuerung wie PLCSIM, danach am Prüfstand oder per Hardware-in-the-Loop. Die Zielumgebung bleibt trotzdem heikel, denn ein fehlerhaftes Programm kann Maschinen beschädigen oder Menschen gefährden. Deployments laufen deshalb nur im Wartungsfenster und über kontrollierte Wege wie OT-Proxy-Agents. Typische Stolpersteine sind Änderungen direkt an der Maschine ohne Versionierung, fehlende Tests und ein Sicherheitsprogramm, das mit dem Standardprogramm vermischt ist. Der Klassiker: Die einzige funktionierende Programmversion liegt auf dem Notebook des Inbetriebnehmers, oder gleich in der Steuerung selbst, aus der sie beim Defekt niemand mehr herausbekommt.
Zum ersten Mal sehen, was sich zwischen zwei Ständen geändert hat
Ein Maschinenbauer verglich TIA-Portal-Stände bisher, indem jemand zwei Projekte nebeneinander öffnete und Bausteine durchklickte. Heute exportiert das Team die Bausteine über das VCI in textbasierte Quellen, versioniert sie in Git und lässt jede Steuerungsänderung reviewen, bevor sie an die Maschine geht. Beim ersten lesbaren Diff nach Jahren mit Binärständen sah das Team auf einen Blick, dass in einem Baustein eine Zeitkonstante geändert worden war, und von wem.
Konsistenzprüfung bei jedem Commit statt bei der Inbetriebnahme
Ein Team fand Verstöße gegen Namenskonventionen und veraltete Bibliotheksstände bisher erst bei der Inbetriebnahme, wenn schon jemand an der Maschine stand. Heute prüft eine CI-Pipeline bei jedem Commit den exportierten SPS-Code auf Konventionen, Bibliotheksversionen und Übersetzbarkeit. Nur ein Stand, der alle Prüfungen besteht, wird für das nächste Wartungsfenster freigegeben.
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Was wollen Sie zuerst angehen?
- Was ist eine SPS einfach erklärt?
- Eine SPS ist ein robuster Industriecomputer, der Maschinen steuert. Sie liest Sensoren wie Taster und Lichtschranken ein, entscheidet nach ihrem Programm und schaltet Motoren, Ventile oder Lampen. Das wiederholt sie in einem festen Zyklus, oft hunderte Male pro Sekunde, sodass die Maschine vorhersagbar reagiert. Programmiert wird sie in den Sprachen der IEC 61131-3, bei Siemens etwa im TIA Portal.
- Sind SPS und PLC das Gleiche?
- Ja. PLC steht für Programmable Logic Controller und ist der englische Begriff für die Speicherprogrammierbare Steuerung, kurz SPS. Beide bezeichnen dasselbe Gerät. In Datenblättern, Normen und internationalen Projekten begegnet Ihnen fast ausschließlich PLC, in deutschsprachigen Fertigungen SPS.
- Welche Programmiersprachen gibt es für SPS?
- Die Norm IEC 61131-3 kennt seit ihrer vierten Ausgabe von 2025 vier SPS-Programmiersprachen: Kontaktplan (KOP/LD), Funktionsbausteinsprache (FUP/FBD), Strukturierter Text (ST) und Ablaufsprache (AS/SFC). Die frühere fünfte Sprache, die Anweisungsliste (AWL/IL), ist aus der Norm entfallen, einige Engineering-Tools unterstützen sie aber weiter. In der Praxis dominieren Kontaktplan für einfache Verknüpfungslogik und Strukturierter Text für Berechnungen, Rezepturen und Kommunikation. Siemens nennt ST im TIA Portal SCL, Beckhoff und CODESYS bleiben bei ST, Rockwell arbeitet vor allem mit Ladder Logic und Structured Text. Für Git und CI/CD ist Strukturierter Text die dankbarste Wahl, weil er als Klartext vorliegt und sich zeilenweise diffen lässt.
- Wie ist eine SPS aufgebaut?
- Eine SPS besteht aus Netzteil, CPU mit Programm- und Datenspeicher, Ein- und Ausgabebaugruppen für digitale und analoge Signale sowie Kommunikationsschnittstellen wie PROFINET, EtherCAT oder EtherNet/IP. Modulare Systeme wie die Siemens S7-1500 lassen sich baugruppenweise erweitern, kompakte Steuerungen bringen die I/O auf der CPU-Baugruppe mit, und Soft-SPS wie TwinCAT laufen als Software auf einem Industrie-PC. Sicherheitsfunktionen übernimmt eine getrennte Safety-SPS oder eine fehlersichere CPU nach IEC 61508.
- Ist SPS-Programmierung schwer?
- Der Einstieg ist leichter als in viele Hochsprachen, weil Kontaktplan und Funktionsplan an Schaltpläne angelehnt sind und eine einfache Verknüpfung schnell läuft. Anspruchsvoll wird es an anderer Stelle. Wer eine SPS programmiert, muss die Maschine verstehen, also Sensorik, Antriebe, Sicherheitsfunktionen und das Zeitverhalten im Zyklus. Ein Fehler zeigt sich nicht als Fehlermeldung im Log, er zeigt sich als Achse, die zu weit fährt. Softwareentwickler finden sich in Strukturiertem Text schnell zurecht, Elektrotechniker bringen das Anlagenverständnis mit, und die meisten Projekte brauchen beides.
- Was ist der Unterschied zwischen PLS und SPS?
- Eine SPS steuert eine Maschine oder einen abgegrenzten Anlagenteil, ein PLS (Prozessleitsystem) führt eine ganze verfahrenstechnische Anlage mit Regelung, Bedienung, Alarmierung und Archivierung in einem System. SPS stehen typischerweise in der Fertigung, wo einzelne Maschinen Teile bearbeiten oder montieren. PLS findet man in der Prozessindustrie, etwa in Chemie, Pharma oder Kraftwerken, wo tausende Regelkreise zusammenhängen. Die Grenze ist unscharf, denn die Controller eines PLS basieren oft auf SPS-Hardware desselben Herstellers.
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Weiterführende Primärquellen zu SPS / PLC: Normtexte, Hersteller- und Projektdokumentation. Alle Ziele öffnen in einem neuen Tab.
- /01IEC WebstoreIEC 61131-3:2013(externe Seite, öffnet in neuem Tab)
Die Norm hinter den Programmiersprachen AWL, ST, KOP, FUP und AS.
- /02Wikipedia (deutsch)Speicherprogrammierbare Steuerung(externe Seite, öffnet in neuem Tab)
Aufbau, Zykluszeit und Ein-/Ausgabebaugruppen verständlich zusammengefasst.
- /03SiemensSIMATIC Controller(externe Seite, öffnet in neuem Tab)
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