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Prozessleittechnik

// Direkte Antwort

Was ist Prozessleittechnik?

Prozessleittechnik (PLT) ist das Fachgebiet der Mittel und Verfahren, mit denen verfahrenstechnische Anlagen gemessen, gesteuert, geregelt und sicher betrieben werden. Dazu gehören die Messstelle an der Rohrleitung, Stellgeräte wie Ventile, die Steuerungen, das Prozessleitsystem in der Leitwarte und die PLT-Sicherheitseinrichtungen. Eingesetzt wird sie in Chemieanlagen, Raffinerien und Papierfabriken ebenso wie in Wasserwerken und Kläranlagen.

Auch bekannt als: PLT · PLT-Technik · Process Control Engineering

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// Im DetailProzessleittechnik

Welche Aufgaben hat die Prozessleittechnik?

Die Prozessleittechnik hält eine verfahrenstechnische Anlage auf ihren Sollwerten, meldet Abweichungen und greift ein, wenn es gefährlich wird. Eine Messstelle erfasst Temperatur, Druck, Füllstand oder Durchfluss, ein Regler im Automatisierungssystem vergleicht den Wert mit dem Sollwert und verstellt ein Ventil oder die Drehzahl einer Pumpe. In der Leitwarte bedient und beobachtet die Schicht den Prozess, quittiert Alarme und findet die Messwerte im Archiv wieder. Geplant wird das alles im R&I-Fließbild. Jede Aufgabe der Prozessleittechnik steht dort als PLT-Stelle, meist eine Messstelle, und wie sie dargestellt und an das PLT-CAE-System übergeben wird, regelt DIN EN 62424 in der Ausgabe von Dezember 2017. Erfahrungen aus dem Betrieb bündelt die NAMUR, ein 1949 gegründeter Verband von Anwenderunternehmen der Prozessindustrie, in Empfehlungen und Arbeitsblättern.

Was ist der Unterschied zwischen Prozessleittechnik und Prozessleitsystem?

Prozessleittechnik ist das Fachgebiet, das Prozessleitsystem ist neben der SPS ihr wichtigstes Werkzeug. Das Prozessleitsystem (PLS, englisch Distributed Control System) führt Regelung, Bedienung, Alarmierung und Archivierung einer Anlage in einem System zusammen. Zur Prozessleittechnik gehört außerdem alles, was um dieses System herum liegt. Das sind die Messumformer und Stellventile im Feld, die Steuerung einer zugekauften Teilanlage, die Sicherheitseinrichtungen, die im Notfall abschalten, und die Planung von Fließbild und PLT-Stellenliste bis zur Inbetriebnahme. Bei modularen Anlagen kommt das Module Type Package (MTP) dazu, das Schnittstellen und Funktionen eines Anlagenmoduls beschreibt, damit es sich in die Prozessführungsebene einbinden lässt. Welche Leitsysteme es gibt und wie sie aufgebaut sind, steht im Glossar zum DCS.

Zwei Normbereiche prägen die Arbeit besonders. Für die funktionale Sicherheit gilt IEC 61511, international in der konsolidierten Ausgabe 2.1 von 2017. In Deutschland baut VDI/VDE 2180 Blatt 1 von 2019 darauf auf und beschreibt einen bewährten Weg, die Anforderungen der Störfall-Verordnung an PLT-Einrichtungen mit Sicherheitsfunktion umzusetzen. Nach der Richtlinie sind Anlagen vorzugsweise mit einfachen, unmittelbar wirkenden Mitteln wie Sicherheitsventilen oder druckfester Auslegung abzusichern. PLT-Sicherheitseinrichtungen kommen erst zum Einsatz, wenn andere Maßnahmen nicht reichen oder bei gleicher Risikominderung unwirtschaftlich wären. Für Chargenprozesse in Chemie, Pharma und Lebensmitteln beschreibt IEC 61512-1 das Modell der Chargensteuerung. Im Februar 2026 ist die erste neue Ausgabe seit 1997 erschienen. Sie bleibt beim Grundsatz, Rezeptprozeduren und Anlagenprozeduren zu trennen, damit der Betrieb Rezepte festlegen kann, ohne die Prozeduren der Anlage zu ändern.

Für Industrial DevOps ist Prozessleittechnik ein Thema der Änderungsführung. In einer Anlage ändern sich Rezepte, Reglerparameter, Bausteine im Leitsystem und Sicherheitsfunktionen, und jede dieser Änderungen braucht einen anderen Test und eine andere Freigabe. Liegen die Exporte aus Leitsystem und Steuerungen zusammen mit der PLT-Stellenliste in einem Repository, zeigt der Vergleich mit dem freigegebenen Stand, welche Art von Änderung ansteht, bevor sie die Anlage erreicht. DIN EN 62424 hilft dabei, weil sie für den Austausch der PLT-Stellen das XML-Format CAEX festlegt. Bei Versorgern kommt das BSI-Gesetz hinzu, das seit dem 6. Dezember 2025 gilt. Wer darunter fällt, braucht nach § 30 Backup-Management, Wiederherstellung und Sicherheit bei der Wartung seiner Systeme, für die Leittechnik einer Kläranlage also einen gesicherten und freigegebenen Stand vor jeder Änderung.

// Beispiele aus der Praxis3 Szenarien
/01

Zwei Namen für eine Durchflussmessung

Bei der Erweiterung einer Dosierstrecke kommt eine Durchflussmessung hinzu. Im Fließbild und in der PLT-Stellenliste trägt sie eine andere Bezeichnung als im Projekt des Leitsystems, weil Planung und Inbetriebnahme sie nacheinander nachgetragen haben. Bemerkt hätte das erst die Schicht, die in der Leitwarte die Messstelle aus dem Fließbild sucht. Liegen der CAEX-Export der Stellenliste und der Export des Leitsystems im selben Repository, vergleicht eine Pipeline beide Listen bei jeder Änderung und meldet die Abweichung vor der Inbetriebnahme.

/02

Längere Rührzeit, gleiche Phase

Die Produktion will in einem Chargenrezept die Rührzeit nach einer Zugabe verlängern. Weil Rezept und Anlagenprozedur getrennt sind, ist das eine Rezeptänderung mit Freigabe durch die Produktion, die Phase im Leitsystem bleibt, wie sie ist. Beim Test zeigt sich, dass die Phase nur Rührzeiten bis zu einem festen Höchstwert annimmt. Erst jetzt wird daraus eine Änderung an der Anlagenprozedur, mit eigenem Test und Freigabe durch die PLT. Im Repository stehen beide Änderungen getrennt, jede mit ihrer eigenen Begründung.

/03

Die Einstellung, die mit der Sicherung verschwand

Ein Systemhaus stellt per Fernwartung die Regelung der Belüftung einer Kläranlage neu ein, damit die Gebläse weniger Strom brauchen, und spielt den Stand direkt ins Leitsystem. Monate später stellt die Instandhaltung das Leitsystem nach einem Hardwaretausch aus der letzten vollständigen Sicherung wieder her, und die Belüftung regelt wieder mit den alten Parametern. Aufgefallen ist es erst am Stromverbrauch. Seitdem liefert das Systemhaus jede Änderung als Merge Request in das Repository des Betreibers, und die Sicherung entsteht aus dem zuletzt freigegebenen Stand.

// Häufige FragenFAQ
Wofür steht die Abkürzung PLT?
PLT steht für Prozessleittechnik, also das Messen, Steuern und Regeln verfahrenstechnischer Anlagen samt ihrer Sicherheitseinrichtungen. Wer von PLT-Technik, PLT-Planung oder PLT-Stellen spricht, meint dieses Fachgebiet. In englischsprachigen Normen heißt das Fachgebiet process control engineering, abgekürzt PCE, so etwa im Titel der IEC 62424. Die deutsche Fassung DIN EN 62424 übersetzt den englischen Begriff wieder mit Prozessleittechnik.
Was ist eine PLT-Stelle?
Eine PLT-Stelle ist eine einzelne Aufgabe der Prozessleittechnik an einem bestimmten Punkt der Anlage, meist eine Messstelle. Sie steht mit ihrer Kennzeichnung im R&I-Fließbild und in der PLT-Stellenliste, und an ihr hängt alles, was sie braucht, vom Sensor bis zur Darstellung im Leitsystem. Darstellung und Kennbuchstaben regelt DIN EN 62424, die die Erstbuchstaben an ISO 3511 und die amerikanische ANSI/ISA S5.1 angeglichen hat. Für den Austausch zwischen Fließbildwerkzeug und PLT-CAE-System legt die Norm das XML-Format CAEX fest.
Was ist eine PLT-Sicherheitseinrichtung?
Eine PLT-Sicherheitseinrichtung, englisch Safety Instrumented System (SIS), ist eine Einrichtung der Prozessleittechnik, die eine Sicherheitsfunktion ausführt, etwa eine Abschaltung bei zu hohem Druck, und das Risiko der Anlage um mehr als den Faktor 10 mindert. Ausgelegt wird sie nach Sicherheitsintegritätslevel, von SIL 1 bis SIL 4. Bis zur Ausgabe 2019 der VDI/VDE 2180 hieß sie PLT-Schutzeinrichtung, und in Suchanfragen taucht der alte Name noch auf. Davon getrennt ist die PLT-Betriebseinrichtung mit Sicherheitsfunktion, die das Risiko höchstens um den Faktor 10 mindert.
Ist Prozessleittechnik dasselbe wie Automatisierungstechnik?
Prozessleittechnik ist der Teil der Automatisierungstechnik, der verfahrenstechnische Anlagen führt. In der Fertigungsautomatisierung steuert eine SPS meist eine Maschine. In der Prozessleittechnik laufen viele Regelkreise einer Anlage in einem Leitsystem zusammen, und vieles entsteht aus vorgefertigten Bausteinen, die eher konfiguriert als programmiert werden. Dazu kommen eigene Normen für die funktionale Sicherheit, IEC 61511, und für die Chargensteuerung, IEC 61512.
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// Quellen und Referenzen5 Quellen

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