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DevOps Glossar·OT / Industrial·Zuletzt geprüft

Automatisierungspyramide

// Direkte Antwort

Was ist die Automatisierungspyramide?

Die Automatisierungspyramide ist ein Ebenenmodell, das die Systeme einer Produktion nach ihren Aufgaben übereinander ordnet. Unten liegt die Feldebene mit Sensoren und Aktoren, darüber folgen die Steuerungsebene mit der SPS, die Prozessleitebene mit SCADA oder Prozessleitsystem, die Betriebsleitebene mit dem MES und die Unternehmensebene mit dem ERP. In der Steuerung zählen Sekundenbruchteile, im ERP Tage bis Monate. Die Norm dazu ist IEC 62264, in den USA ISA-95, mit den Ebenen Level 0 bis 4.

Auch bekannt als: Automation Pyramid · Automatisierungs-Pyramide · Automatisierungsebenen

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// Im DetailAutomatisierungspyramide

Welche Ebenen hat die Automatisierungspyramide?

Die meisten Darstellungen haben fünf Ebenen, von unten nach oben Feldebene, Steuerungsebene, Prozessleitebene, Betriebsleitebene und Unternehmensebene. Auf der Feldebene erfassen Sensoren Temperatur, Druck oder Position, und Aktoren wie Ventile und Antriebe setzen Befehle um, angebunden über Feldbus, IO-Link oder einzelne Ein- und Ausgänge. Die SPS auf der Steuerungsebene steuert und regelt Maschinen. Auf der Prozessleitebene bedient und beobachtet die Schicht den Prozess über SCADA, HMI oder ein Prozessleitsystem, dort liegen auch Rezepte und Messwertarchive. Das MES auf der Betriebsleitebene plant die Produktion im Detail und erfasst Betriebs-, Material- und Qualitätsdaten, das ERP ganz oben plant grob und wickelt Bestellungen ab. Manche Modelle setzen darunter noch eine Prozessebene mit dem physischen Prozess. Eine Literaturübersicht der TU Darmstadt von 2017 hat 25 Varianten mit drei bis sieben Ebenen verglichen.

Verwirrend wird es bei den Nummern. ISA-95 und IEC 62264 zählen den physischen Prozess als Level 0, Sensoren und Aktoren als Level 1, SPS und Prozessleitsysteme als Level 2, das Manufacturing Operations Management mit dem MES als Level 3 und das ERP als Level 4. Im Purdue-Modell, wie es der OT-Leitfaden des NIST verwendet, stehen Sensoren und Aktoren dagegen auf Level 0 und die Steuerungen auf Level 1. Beide Zählungen haben dieselbe Wurzel. Theodore J. Williams gab 1989 bei der ISA das Purdue-Referenzmodell für computerintegrierte Fertigung heraus, und aus der Purdue Enterprise Reference Architecture von 1992 ist ISA-95 hervorgegangen. Teil 1 hat die ISA im April 2025 als ANSI/ISA-95.00.01-2025 neu herausgegeben, die internationale IEC 62264-1 gilt weiter in der Ausgabe von 2013.

Löst Industrie 4.0 die Automatisierungspyramide auf?

Industrie 4.0 weicht die Hierarchie auf, die Ebenen bleiben. In der klassischen Pyramide gibt es zwischen den Ebenen wenige Schnittstellen, und Informationen laufen von oben nach unten. Mit Industrie 4.0 sollen Geräte und Systeme horizontal und vertikal vernetzt werden, bis hin zu Rückkanälen direkt aus der Feldebene. Die Literaturübersicht der TU Darmstadt hält aber fest, dass die Systeme der einzelnen Ebenen dabei nicht verschwinden. Das Referenzarchitekturmodell Industrie 4.0 (RAMI 4.0), seit April 2016 als DIN SPEC 91345 veröffentlicht, übernimmt die Hierarchiestufen der IEC 62264 sogar als eine seiner drei Achsen und ergänzt sie um das Produkt und die vernetzte Welt. Wie ein Unified Namespace in dieses Bild passt und warum die Zuständigkeiten trotzdem an den Ebenen bleiben, beschreibt der Anwendungsfall Fertigungsindustrie.

Für Industrial DevOps ist die Pyramide vor allem eine Landkarte der Zuständigkeiten. Jede Ebene hat ihre eigenen Artefakte, vom SPS-Programm über das SCADA-Projekt bis zur MES-Rezeptur, ihren eigenen Änderungstakt und ihre eigenen Freigeber. Pipelines, die entlang dieser Grenzen geschnitten sind, müssen keine Zuständigkeit neu verhandeln. Die Ebenen bestimmen auch den Weg eines Deployments. NIST empfiehlt Firewall-Regeln, die nur Verbindungen zwischen benachbarten Ebenen erlauben, ein Gerät auf Level 4 darf also nie direkt mit Level 2, 1 oder 0 sprechen. Ein Build-Server im Büronetz, der selbst auf eine Steuerung schreibt, ist genau die Verbindung, die diese Regel ausschließt. Für die Zonen nach IEC 62443 taugen die Ebenen als erster Entwurf, maßgeblich ist dort die Risikobeurteilung je Zone und Conduit nach IEC 62443-3-2.

// Beispiele aus der Praxis3 Szenarien
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Level 1 im Lastenheft

Ein Lastenheft für die Modernisierung einer Abfüllanlage verlangt, alle Komponenten auf Level 1 gegen unbefugten Zugriff zu härten. Der Integrator plant Maßnahmen für die Steuerungen, weil er nach dem Purdue-Modell zählt. Der Betreiber meinte die Sensoren und Aktoren, denn sein Lastenheft stammt aus einer Vorlage nach ISA-95. Aufgefallen ist das erst in der Abnahme. Seitdem steht in jedem Lastenheft neben der Nummer der Name der Ebene und die Liste der Systeme, die dazugehören.

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Auftragsdaten direkt vom ERP in die SPS

Um eine Schnittstelle zu sparen, soll ein Projekt Auftragsdaten aus dem ERP direkt in die Steuerungen einer Montagelinie schreiben. Die OT-Security lehnt ab, weil die Verbindung von der Unternehmensebene an MES und Leitebene vorbei bis in die Steuerung reichen würde. Am Ende übernimmt das MES die Aufträge und gibt Sollwerte und Stückzahlen an die Linie weiter. Die Linie bekommt dieselben Daten, und in der Firewall gibt es eine Ausnahme weniger, die jemand pflegen und im Audit begründen muss.

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Ein Repository je Ebene

Für eine neue Linie legt das Team die Repositories nach Ebenen an. SPS-Projekte, das SCADA-Projekt und die MES-Workflows liegen getrennt, jedes mit eigenem Freigeber. Während der Inbetriebnahme benennt die Steuerungstechnik eine Variable um. Der Merge Request zeigt die Änderung, ein Check findet das SCADA-Tag, das darauf verweist, und das MES-Team passt sein Mapping an, bevor die Linie zum ersten Mal produziert. Ohne diese Kette wäre der Fehler als leere Kurve im Leitstand aufgefallen, mitten in der ersten Schicht.

// Häufige FragenFAQ
Wie heißt die Automatisierungspyramide auf Englisch?
Auf Englisch heißt sie Automation Pyramid. In Normen ist eher von der funktionalen Hierarchie nach ISA-95 die Rede, deren obere Ebenen Manufacturing Operations Management (Level 3) und Business Planning and Logistics (Level 4) heißen. In der OT-Security sprechen englischsprachige Unterlagen meist vom Purdue-Modell, so auch der Leitfaden NIST SP 800-82. Gemeint ist jedes Mal eine Gliederung vom Feld bis zum Unternehmen, nur die Zählung der unteren Ebenen unterscheidet sich.
Wo stehen SPS, SCADA, MES und ERP in der Automatisierungspyramide?
Die SPS steht auf der Steuerungsebene, SCADA auf der Prozessleitebene, das MES auf der Betriebsleitebene und das ERP ganz oben auf der Unternehmensebene. In der Zählung von ISA-95 gehören SPS und Prozessleitsysteme zu Level 2, das MES zu Level 3 und das ERP zu Level 4. Andere Modelle setzen die SPS auf Level 1 oder das ERP auf Level 5. Wer in einem Projekt nur Nummern nennt, sollte deshalb dazuschreiben, nach welchem Modell gezählt wird.
Was ist der Unterschied zwischen Automatisierungspyramide und Purdue-Modell?
Die Automatisierungspyramide ist eine anschauliche Darstellung mit vielen Varianten, das Purdue-Modell ein Referenzmodell, auf dem ISA-95 aufbaut und mit dem die OT-Security heute Netze segmentiert. Es geht auf das Purdue-Referenzmodell für computerintegrierte Fertigung von 1989 zurück und auf die Purdue Enterprise Reference Architecture von 1992. Sicherheitsteams legen damit fest, welche Ebenen miteinander sprechen dürfen. Einen zweiten Unterschied gibt es bei der Zählung, denn im Purdue-Modell stehen Sensoren und Aktoren auf Level 0.
Was ist der Unterschied zwischen Automatisierungspyramide und RAMI 4.0?
RAMI 4.0 ist dreidimensional, die Ebenen der Automatisierungspyramide bilden dort eine von drei Achsen. Das Referenzarchitekturmodell Industrie 4.0, als DIN SPEC 91345 im April 2016 veröffentlicht, ordnet auf der Achse Hierarchy Levels die Hierarchiestufen der IEC 62264 an und ergänzt sie um das Produkt und die vernetzte Welt. Die zweite Achse bildet den Lebenszyklus von Anlagen und Produkten nach IEC 62890 ab, die dritte beschreibt in sechs Schichten das digitale Abbild etwa einer Maschine.
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// Quellen und Referenzen5 Quellen

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