- Q.01
- Welche Vorkenntnisse brauche ich für den Industrial-DevOps-Workshop?
- Keine technischen. Der Workshop richtet sich an Entscheider und technische Verantwortliche gleichermaßen — Sie brauchen weder Programmier- noch CI/CD-Erfahrung. Hilfreich ist, was Sie ohnehin im Kopf haben: eine grobe Vorstellung davon, wie eine Änderung heute von der Anforderung bis auf die Anlage kommt, und welche Engineering- und Build-Werkzeuge im Einsatz sind. Wenn Zahlen zu Ausfällen und Release-Häufigkeit vorliegen, bringen Sie sie mit; wenn nicht, erarbeiten wir sie im Workshop.
- Q.02
- Was ist Industrial DevOps?
- Industrial DevOps überträgt bewährte DevOps-Prinzipien — Continuous Integration, Continuous Delivery, Infrastructure as Code und automatisiertes Testen — auf cyber-physische Systeme in Maschinenbau, Fertigung und Industrie 4.0. Statt Web-Anwendungen laufen TIA-Portal-Projekte, CODESYS-Programme, SCADA-Konfigurationen und Edge-Gateway-Software durch automatisierte Build-, Test- und Deployment-Strecken. Die Besonderheiten der Betriebstechnik — lange Build-Zeiten, Hardware-Abhängigkeiten, Wartungsfenster, Freigabeprozesse und Safety-Anforderungen nach IEC 62443 — werden dabei nicht ignoriert, sondern in das Pipeline-Design eingearbeitet.
- Q.03
- Warum 90 Tage — und nicht sechs oder zwölf Monate?
- 90 Tage sind lang genug für einen vollständigen Zyklus aus Analyse, Design, Umsetzung und Messung, und kurz genug, um Fokus zu erzwingen. Der häufigste Einwand lautet, das Team habe dafür gerade keine Kapazität. Genau deshalb beginnt der Fahrplan mit einer Analyse, die nur wenige Stunden je beteiligter Person bindet, und setzt anschließend auf ein Pilotprojekt statt auf einen Komplett-Umbau. Die vollständige Transformation einer Organisation dauert typischerweise 12 bis 18 Monate — aber niemand sollte monatelang auf den ersten Beleg warten, dass der Ansatz trägt.
- Q.04
- Was nehme ich aus den zwei Tagen konkret mit?
- Vier ausgefüllte Arbeitsinstrumente für Ihr Unternehmen: ein Reifegrad-Profil über fünf Dimensionen mit Benchmark und drei priorisierten Hebeln, eine Wertstromkarte mit den tatsächlichen Wartezeiten und Übergaben, einen freigabefähigen Pilot-Plan auf zwei Seiten mit vierzehn Feldern und ein KPI-Zielblatt mit Baseline und Zielwert für Tag 90. Dazu die dokumentierte Tool-Entscheidung, die Vorlagensammlung als Git-Repository und ein Cheat-Sheet mit den acht KI-Prompts aus dem Workshop.
- Q.05
- Welche Phasen hat der 90-Tage-Fahrplan?
- Vier aufeinander aufbauende Phasen, jede mit einem Quality Gate: Assess (Tag 1–20) liefert den Reifegrad-Report mit Benchmark und priorisierten Hebeln. Design (Tag 21–40) endet mit dem freigegebenen Pilot-Plan inklusive Erfolgskriterien. Implement (Tag 41–75) ist die längste Phase und liefert eine lauffähige Pipeline mit ersten automatisierten Deployments. Optimize (Tag 76–90) schließt mit dem KPI-Report Baseline gegen Ist und der Entscheidungsvorlage für den Rollout. Wird ein Gate nicht erreicht, wird nachgesteuert, bevor weiter investiert wird.
- Q.06
- Wie wählt man den richtigen Piloten aus?
- Nach fünf Kriterien: Relevanz (adressiert einen echten Schmerzpunkt, kein Randthema), Überschaubarkeit (ein abgegrenztes System, ein Team, eine Linie), Messbarkeit (Baseline-Werte existieren oder lassen sich erheben), Sichtbarkeit (das Ergebnis ist für Management und Nachbarteams erkennbar) und vertretbares Risiko (Rollback jederzeit möglich, Produktionssicherheit nie gefährdet). Der häufigste Fehler ist die Auswahl nach Tool-Präferenz statt nach Schmerzpunkt: Der Pilot funktioniert dann technisch, überzeugt aber niemanden. Im Workshop stellen Sie zwei bis drei Kandidaten gegeneinander.
- Q.07
- Welche Kennzahlen misst man in einer Produktionsumgebung?
- Die vier DORA-Metriken — Deployment Frequency, Lead Time for Changes, Change Failure Rate und Time to Restore — ergänzt um OT-spezifische Kennzahlen: ungeplante Anlagenstillstände, Release-Zyklus der Steuerungssoftware, manuelle Schritte pro Release, Testabdeckung im Steuerungscode und die Zeit bis zur Erkennung einer Schwachstelle. Wichtig ist die Reihenfolge der Optimierung: erst Stabilität, dann Geschwindigkeit. In der Produktion ist Verlässlichkeit die Voraussetzung für Tempo, nicht umgekehrt. Alle Werte werden automatisiert aus Pipeline- und Monitoring-Systemen erhoben.
- Q.08
- Ist CI/CD für SPS-Programme wie TIA Portal oder CODESYS überhaupt möglich?
- Ja. Engineering-Umgebungen gelten oft als nicht automatisierbar, weil die Bedienung über die grafische Oberfläche gedacht wird — tatsächlich fehlt meist nur der Einstieg über die Programmierschnittstellen. Das TIA Portal lässt sich über die Openness-API ansteuern, CODESYS über den Automation Server. Getestet wird gegen Simulation (etwa PLCSIM Advanced) und, wo Prüfstände verfügbar sind, ergänzt um Hardware-in-the-Loop. Im Workshop bauen wir die sechsstufige Pilot-Pipeline an einem Beispielprojekt auf und übertragen sie auf Ihren Kontext.
- Q.09
- Welches CI/CD-Werkzeug passt in eine OT-Umgebung?
- Das hängt am Kontext, nicht am Funktionsumfang. Jenkins bietet die größte Flexibilität und eignet sich besonders dort, wo bestehende Infrastruktur eingebunden und SPS-Builds automatisiert werden müssen. GitLab CI punktet als All-in-One-Plattform, Azure DevOps in Microsoft-geprägten Umgebungen, GitHub Actions durch die niedrige Einstiegshürde, ArgoCD für GitOps-Deployments auf Kubernetes und Edge-Clustern. Im Workshop wenden Sie die Entscheidungsmatrix über neun industrielle Kriterien — darunter Air-Gap-Fähigkeit, Eignung für SPS-Builds und Self-Hosted Runner in der OT-Zone — auf Ihre Ausgangslage an und dokumentieren die Entscheidung mit Begründung.
- Q.10
- Was verlangen NIS2, CRA, IEC 62443 und der EU AI Act konkret?
- Alle vier laufen auf dieselbe Anforderung zu: Sicherheit und Nachvollziehbarkeit müssen im Entwicklungsprozess entstehen, nicht in einem nachgelagerten Audit. NIS2 fordert Risikomanagement, Incident-Response, Supply-Chain-Security und die Meldung erheblicher Vorfälle binnen 24 Stunden. Der Cyber Resilience Act verlangt SBOM, Schwachstellenmanagement über den Lebenszyklus und Security-Updates über mindestens fünf Jahre; die 24-Stunden-Meldepflicht an die ENISA gilt ab 11.09.2026, vollständig anwendbar ist die Verordnung ab 11.12.2027. Die IEC 62443 lässt sich als automatisiertes Quality Gate abbilden, das jedes Deployment gegen die Anforderungen seiner Zielzone prüft. Beim EU AI Act gelten die GPAI-Pflichten seit 02.08.2026; die Hochrisiko-Pflichten nach Anhang III wurden durch die Verordnung (EU) 2026/1744 auf den 02.12.2027 verschoben, für regulierte Produkte nach Anhang I auf den 02.08.2028.
- Q.11
- Welche Rolle spielt KI in dem Workshop?
- Eine unterstützende, keine tragende. KI nimmt Ihnen weder die Pilot-Entscheidung noch die Arbeitsvereinbarung zwischen IT und OT ab — das sind Führungsaufgaben. Bei der Auswertung von Interviews und Ticket-Daten, beim ersten Pipeline-Entwurf, bei SBOM- und Policy-Stages und beim Management-Reporting spart sie dagegen ganze Tage. Wir zeigen acht erprobte Prompts, zwei je Phase, und sagen an jeder Stelle dazu, wo der Einsatz nichts beiträgt. KI-Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Wer tiefer in die werkzeugnahe KI-Arbeit einsteigen will, ist in unseren Jenkins- und ArgoCD-Workshops richtig.
- Q.12
- Können wir eigene Zahlen und Projekte mitbringen?
- Ausdrücklich erwünscht — der Workshop lebt davon. Je konkreter Ihre Ausgangslage, desto belastbarer der Fahrplan am Ende. Nützlich sind: eine grobe Beschreibung des heutigen Ablaufs, die Liste der Engineering- und Build-Werkzeuge, Zahlen zu ungeplanten Ausfällen und Release-Häufigkeit sowie zwei bis drei Kandidaten für den Piloten. Vertraulichkeit ist selbstverständlich; auf Wunsch schließen wir vorab eine Geheimhaltungsvereinbarung.
- Q.13
- Offener Termin oder Inhouse — was passt besser?
- Bei diesem Workshop empfehlen wir Inhouse deutlicher als bei unseren Tool-Workshops. Der Fahrplan wird ungleich konkreter, wenn IT und OT aus demselben Haus gemeinsam im Raum sitzen und dieselbe Wertstromkarte zeichnen — genau dort entstehen die Arbeitsvereinbarungen, an denen Initiativen sonst scheitern. Der offene Termin lohnt sich, wenn Sie zunächst für sich einordnen wollen, wo Ihr Unternehmen steht, oder wenn nur eine Person entsandt wird. Inhouse-Workshops sind ab vier Teilnehmern buchbar und werden auf Ihre Normen, Werkzeuge und Anlagen zugeschnitten.
- Q.14
- Kann der Workshop auch remote stattfinden?
- Ja, sowohl vor Ort in Puchheim bei München als auch remote per Videokonferenz. Bei Remote-Terminen arbeiten wir mit einem geteilten Whiteboard für Wertstrom-Mapping und Reifegradanalyse sowie einer vorbereiteten Beispielumgebung für die Pipeline-Module. Der Praxisanteil von rund 70 % bleibt identisch. Für Inhouse-Workshops mit gemischten IT/OT-Gruppen empfehlen wir das Präsenzformat — die Abstimmung zwischen den beiden Welten läuft im selben Raum spürbar leichter.
- Q.15
- Was kostet der Industrial-DevOps-Workshop?
- Der offene Workshop kostet 1.890 € netto pro Teilnehmer (zzgl. 19 % USt.) — inklusive aller Vorlagen als Git-Repository, dem Whitepaper „Industrial DevOps in 90 Tagen", dem Prompt-Cheat-Sheet und einer Teilnahmebestätigung über 16 Stunden. Inhouse-Workshops für Teams ab 4 Teilnehmern werden auf Ihre Anlagen, Werkzeuge und Compliance-Anforderungen zugeschnitten; der Tagessatz kommt auf Anfrage. Vor jeder Buchung steht ein kostenloses Erstgespräch von 30 Minuten — zeigt sich darin, dass ein Workshop bei Ihnen nicht das richtige Mittel ist, sagen wir Ihnen das auch.
- Q.16
- Was unterscheidet diesen Workshop von den Jenkins- und ArgoCD-Workshops?
- Die Ebene. Dieser Workshop klärt, was gebaut wird, in welcher Reihenfolge und woran der Erfolg gemessen wird — er endet mit einem Fahrplan, nicht mit einer Pipeline. Die Jenkins- und ArgoCD-Workshops setzen dort an, wo die Entscheidung gefallen ist, und bauen die Technik: Konfiguration als Code, Härtung und Monitoring beim Admin-Workshop, Pipeline-Entwicklung und Shared Libraries beim Pipeline-Workshop, GitOps-Auslieferung beim ArgoCD-Workshop. In der Praxis buchen Teams häufig zuerst diesen Workshop und danach den, auf den die Tool-Entscheidung fällt.
- Q.17
- Erhalte ich ein Zertifikat?
- Sie erhalten eine Teilnahmebestätigung mit den behandelten Inhalten und dem Umfang von 16 Stunden. Es handelt sich um kein herstellergebundenes Zertifizierungsprogramm — Comquent schult herstellerunabhängig und ohne Bindung an einen Werkzeuganbieter. Für Weiterbildungsnachweise gegenüber Personalabteilung oder Auditoren ist die Teilnahmebestätigung in der Regel ausreichend.