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CI/CD 14 min Lesezeit 8. Februar 2026

Jenkins vs. GitLab CI vs. Azure DevOps

Ein ehrlicher Vergleich der drei führenden CI/CD-Plattformen: Stärken, Schwächen, Einsatzszenarien und Migrationspfade. Basierend auf unserer Erfahrung aus 500+ Projekten.

Jenkins vs. GitLab CI vs. Azure DevOps — CI/CD-Plattformen im Vergleich

Warum dieser Vergleich?

„Welches CI/CD-Tool sollen wir einsetzen?" — diese Frage hören wir in fast jedem Beratungsprojekt. Und die ehrliche Antwort lautet: Es kommt drauf an. Nicht auf das Tool, sondern auf Ihre Situation: Teamgröße, vorhandene Infrastruktur, Branche, Compliance-Anforderungen und — oft unterschätzt — die Fähigkeiten Ihres Teams.

In diesem Artikel vergleichen wir die drei CI/CD-Plattformen, die wir in der Praxis am häufigsten antreffen: Jenkins, GitLab CI und Azure DevOps. Nicht als abstraktes Feature-Vergleich, sondern basierend auf konkreten Erfahrungen aus über 500 Projekten — vom Maschinenbauer mit TIA-Portal-Pipelines bis zum Cloud-Native-Startup.

Wir lassen bewusst Plattformen wie GitHub Actions, CircleCI oder Tekton außen vor — nicht weil sie schlecht sind, sondern um den Fokus zu halten. Die Prinzipien dieses Vergleichs lassen sich aber auf jede Tool-Entscheidung übertragen.

Auf einen Blick

Jenkins

Open Source, maximale Flexibilität, hoher Wartungsaufwand

GitLab CI

All-in-One-Plattform, schneller Einstieg, integrierte Security

Azure DevOps

Enterprise-Ökosystem, Microsoft-Integration, Compliance

Stärken & Schwächen im Detail

Jede Plattform hat klare Stärken — und ebenso klare Schwächen. Hier unsere ehrliche Einschätzung.

J

Jenkins

Der Open-Source-Veteran

Stärken

  • Maximale Flexibilität — fast alles ist konfigurierbar
  • 1.800+ Plugins für jeden erdenklichen Use Case
  • Keine Vendor-Lock-In-Gefahr (Open Source)
  • Starke Community und riesiges Ökosystem
  • Ideal für komplexe, nicht-standardisierte Pipelines
  • On-Premise-first — volle Kontrolle über Daten und Infrastruktur

Schwächen

  • Steile Lernkurve, hoher Wartungsaufwand
  • Plugin-Kompatibilität kann Probleme bereiten
  • UI wirkt veraltet (Classic UI)
  • Skalierung erfordert eigene Infrastruktur
  • Kein integriertes Source-Code-Management
  • Security-Patches müssen selbst eingespielt werden
Am besten geeignet für

Unternehmen mit komplexen, heterogenen Umgebungen, On-Premise-Anforderungen und erfahrenen DevOps-Teams. Besonders stark in der industriellen Automatisierung (TIA Portal, Embedded).

G

GitLab CI

Die All-in-One-Plattform

Stärken

  • Vollintegrierte Plattform: SCM + CI/CD + Registry + Security
  • Einfache YAML-basierte Pipeline-Konfiguration
  • Built-in Container Registry und Package Registry
  • DevSecOps-Features out-of-the-box (SAST, DAST, Dependency Scanning)
  • Self-Hosted oder SaaS — freie Wahl
  • Auto DevOps für schnellen Einstieg

Schwächen

  • Ressourcenhungrig bei Self-Hosted-Installation
  • Weniger Plugins/Integrationen als Jenkins
  • Premium-Features nur in kostenpflichtigen Tiers
  • Komplexe Konfiguration bei Multi-Projekt-Pipelines
  • Runner-Management bei großen Teams aufwendig
  • Vendor-Lock-In bei starker Nutzung der Plattform-Features
Am besten geeignet für

Teams, die eine einheitliche Plattform für den gesamten Software-Lifecycle wollen. Ideal für Startups bis Mittelstand, die schnell produktiv sein möchten.

A

Azure DevOps

Das Enterprise-Ökosystem

Stärken

  • Nahtlose Integration in Microsoft-Ökosystem (Azure, Teams, VS Code)
  • Azure Boards für Projektmanagement + Azure Repos + Azure Pipelines
  • Exzellentes Rechte- und Compliance-Management
  • Hybrid-Cloud: On-Premise-Agents + Cloud-Hosted
  • Starke Enterprise-Features (Audit Logs, Governance)
  • Guter Support und SLAs für Unternehmen

Schwächen

  • Starke Bindung an Microsoft-Ökosystem
  • YAML-Pipelines komplexer als bei GitLab
  • Kosten skalieren mit Nutzern und Parallel-Jobs
  • Weniger Community-Erweiterungen als Jenkins
  • UI kann für Einsteiger überwältigend sein
  • Manche Features nur in Azure Cloud verfügbar
Am besten geeignet für

Unternehmen, die bereits im Microsoft-Ökosystem arbeiten (Azure, Office 365, Active Directory). Stark in regulierten Branchen mit hohen Compliance-Anforderungen.

Feature-Vergleich: Kategorie für Kategorie

Ein systematischer Vergleich über 8 Schlüsselkategorien. Die Bewertung basiert auf unserer praktischen Erfahrung — nicht auf Marketing-Material der Hersteller.

Installation & Setup

Jenkins

Manuell, aufwendig — Docker oder Paketmanager

GitLab CI

Docker/Helm oder SaaS — schnell produktiv

Azure DevOps

SaaS sofort nutzbar, On-Prem via Azure DevOps Server

Pipeline-Konfiguration

Jenkins

Jenkinsfile (Groovy) — mächtig, aber komplex

GitLab CI

.gitlab-ci.yml — intuitiv, gut dokumentiert

Azure DevOps

azure-pipelines.yml — mächtig, steile Lernkurve

Erweiterbarkeit

Jenkins

1.800+ Plugins — unschlagbare Flexibilität

GitLab CI

Integrationen vorhanden, weniger als Jenkins

Azure DevOps

Marketplace-Extensions, Microsoft-fokussiert

Security (DevSecOps)

Jenkins

Über Plugins (OWASP, SonarQube, Trivy)

GitLab CI

Built-in SAST, DAST, Container/Dependency Scanning

Azure DevOps

Microsoft Defender, GitHub Advanced Security Integration

Skalierung

Jenkins

Agent-basiert, selbst verwaltet — aufwendig

GitLab CI

Auto-Scaling Runner, Kubernetes-Integration

Azure DevOps

Microsoft-hosted Agents, Auto-Scale in Azure

Kosten

Jenkins

Open Source — nur Infrastrukturkosten

GitLab CI

Free Tier vorhanden, Premium ab $29/User/Monat

Azure DevOps

Free für 5 User, danach $6/User + Parallel-Jobs

On-Premise / Air-Gap

Jenkins

Nativ On-Premise, ideal für Air-Gap-Umgebungen

GitLab CI

Self-Managed Edition verfügbar

Azure DevOps

Azure DevOps Server möglich, eingeschränkter Umfang

Industrial DevOps

Jenkins

TIA Openness, PLCSim, Embedded-Toolchains — breit unterstützt

GitLab CI

Möglich via Custom Runner, weniger OT-Integrationen

Azure DevOps

Windows-Agents für TIA Portal, aber weniger OT-Fokus

Hervorragend Gut Eingeschränkt

Pipeline-Syntax im Vergleich

Dieselbe Pipeline — drei verschiedene Sprachen. Eine einfache Build-Test-Deploy-Pipeline als Beispiel.

JJenkinsfile
pipeline {
    agent any
    stages {
        stage('Build')  { steps { sh 'make build' } }
        stage('Test')   { steps { sh 'make test' } }
        stage('Deploy') {
            when { branch 'main' }
            steps { sh 'make deploy' }
        }
    }
}
G.gitlab-ci.yml
stages: [build, test, deploy]

build:
  stage: build
  script: make build

test:
  stage: test
  script: make test

deploy:
  stage: deploy
  script: make deploy
  only: [main]
Aazure-pipelines.yml
trigger: [main]

stages:
- stage: Build
  jobs:
  - job: BuildJob
    steps:
    - script: make build

- stage: Test
  jobs:
  - job: TestJob
    steps:
    - script: make test

- stage: Deploy
  condition: eq(variables['Build.SourceBranch'],
    'refs/heads/main')
  jobs:
  - job: DeployJob
    steps:
    - script: make deploy

Unsere Empfehlung: 5 typische Szenarien

Die richtige Wahl hängt von Ihrem Kontext ab. Hier unsere Empfehlungen für die häufigsten Szenarien.

Maschinenbau mit TIA Portal

Jenkins

Beste Integration mit TIA Openness API und PLCSim. Windows-Agents nativ. 1.800+ Plugins für industrielle Toolchains. Volle Kontrolle in Air-Gap-Umgebungen.

Startup / Scale-up mit Cloud-Fokus

GitLab CI

Schneller Einstieg, alles aus einer Hand. Built-in Security. Kein Infrastruktur-Overhead. Auto DevOps für schnelle Ergebnisse.

Enterprise mit Microsoft-Stack

Azure DevOps

Nahtlose Integration in Azure, Teams, Active Directory. Enterprise-Governance und Compliance. Hybrid-Cloud mit On-Prem-Agents.

Regulierte Branche (Pharma, Automotive)

Azure DevOps oder GitLab

Starke Audit-Trails, Compliance-Features und Freigabe-Workflows. Azure DevOps bei Microsoft-Umgebung, GitLab bei Multi-Cloud.

Heterogene Umgebung (IT + OT gemischt)

Jenkins + GitLab (Hybrid)

Jenkins für OT-Pipelines (SPS, Embedded), GitLab für IT-Pipelines (Web, Cloud). Gemeinsame Artefakt-Verwaltung über Nexus/Artifactory.

Migrationspfade: Von A nach B

Bereits ein Tool im Einsatz und denken über einen Wechsel nach? Hier die wichtigsten Überlegungen.

JenkinsGitLab CIAufwand: Mittel
  • Jenkinsfile → .gitlab-ci.yml konvertieren (kein 1:1-Mapping)
  • Plugin-Abhängigkeiten identifizieren und Alternativen finden
  • Shared Libraries → GitLab CI/CD Components migrieren
  • Git-Repositories können übernommen werden
JenkinsAzure DevOpsAufwand: Mittel bis Hoch
  • Jenkinsfile → azure-pipelines.yml konvertieren
  • Task Groups und Variable Groups als Ersatz für Shared Libraries
  • Azure Repos oder GitHub als SCM-Backend wählen
  • Windows-basierte Agents sind nativ verfügbar
GitLab CIJenkinsAufwand: Hoch
  • .gitlab-ci.yml → Jenkinsfile konvertieren (Groovy lernen)
  • Integrierte Features (Registry, Security) durch Plugins ersetzen
  • Eigene Infrastruktur für Jenkins-Server aufbauen
  • In der Praxis selten — meist wird von Jenkins weg migriert

Unser Rat zur Migration

Migrieren Sie nicht, weil ein Tool „moderner" klingt. Migrieren Sie nur, wenn Ihr aktuelles Tool ein konkretes Problem verursacht, das sich nicht lösen lässt. Tool-Migrationen sind teuer, disruptiv und binden Ressourcen über Monate. Oft ist es effektiver, das bestehende Tool besser zu nutzen.

Fazit: Das beste Tool ist das, das zu Ihnen passt

Es gibt kein objektiv bestes CI/CD-Tool. Jenkins, GitLab CI und Azure DevOps sind alle leistungsfähige Plattformen, die in Millionen von Projekten ihre Stärken beweisen. Die Frage ist nicht „Was ist besser?", sondern „Was passt zu uns?".

Unsere Kurzformel: Jenkins wenn maximale Flexibilität und On-Premise zählen. GitLab CI wenn Sie eine integrierte Plattform wollen. Azure DevOps wenn Sie im Microsoft-Ökosystem leben.

Und vergessen Sie nicht: Das Tool ist maximal 20 % des Erfolgs. Die anderen 80 % sind Pipeline-Design, Testautomatisierung, Kultur und Prozesse. Ein schlecht konfiguriertes GitLab CI ist nicht besser als ein gut gepflegtes Jenkins.

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