Was ist ein Maschinenstillstand?
Ein Maschinenstillstand ist jeder Zeitraum, in dem eine Anlage nicht produziert, obwohl sie nach Plan produzieren sollte. Die Kennzahlensprache der ISO 22400 ordnet ihn den Verfügbarkeitsverlusten zu, der ersten der drei OEE-Komponenten neben Leistung und Qualität. Typische Ursachen sind Verschleiß, Materialmangel, Rüstvorgänge, Kurzstillstände und Bedienfehler; hinzu kommt eine Klasse, die in Wartungsstatistiken selten auftaucht: der Software-Stand der Steuerung. In der diskreten Fertigung liegen die Kosten je nach Branche bei 10.000 bis 50.000 Euro pro Stunde.
Auch bekannt als: Anlagenstillstand · Stillstandszeit · Stillstandszeiten · Ausfallzeit · Downtime · Bandstillstand · Produktionsstillstand
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Ein Maschinenstillstand ist jeder Zeitraum, in dem eine Anlage nicht produziert, obwohl sie nach Plan produzieren sollte. Die Instandhaltung unterscheidet dabei zwischen geplanten Stillständen, also Wartung, Umbau und Rüsten, und ungeplanten Stillständen durch Störung. Nur die zweite Gruppe kostet unerwartet Geld, und nur sie taucht in der Diskussion über Anlagenverfügbarkeit auf. In der Kennzahlensprache der ISO 22400 zählen beide zu den Verfügbarkeitsverlusten, der ersten der drei OEE-Komponenten neben Leistung und Qualität.
Die üblichen Ursachen sind gut dokumentiert: Verschleiß an Mechanik, Elektrik und Pneumatik, fehlendes Material oder verspätete Zukaufteile, lange Rüstvorgänge bei Werkzeug- und Produktwechsel sowie Bedienfehler. Dazu kommen Kurzstillstände, im Englischen Micro-Stops, also die vielen Unterbrechungen unter zwei bis fünf Minuten durch Materialstau oder blockierte Sensoren. Sie fallen einzeln kaum auf und summieren sich über eine Schicht zu den größten Einzelverlusten, weil sie in der Regel niemand einzeln erfasst.
Der klassische Werkzeugkasten gegen diese Ursachen ist eingeführt. Lückenlose Erfassung der Stillstandsgründe über Betriebsdaten oder ein MES schafft die Datenbasis, eine Pareto-Analyse arbeitet die drei bis fünf häufigsten Gründe zuerst ab, Total Productive Maintenance und Predictive Maintenance verschieben Instandhaltung vom Reagieren ins Vorbeugen, und SMED verkürzt Rüstzeiten, indem interne in externe Rüstschritte verlagert werden.
Was dieser Werkzeugkasten nicht erfasst, ist die Ursache, die mit der Digitalisierung der Anlagen entstanden ist: der Software-Stand der Steuerung. Ein überschriebener Parameter, ein Update ohne Rückweg, ein SPS-Projekt, dessen letzter funktionierender Stand nur auf einem Netzlaufwerk liegt. Diese Vorfälle werden in Wartungsstatistiken als Bedienfehler verbucht und deshalb nie budgetiert. Sie lassen sich weder durch mehr Wartung noch durch bessere Sensorik entschärfen, sondern nur dadurch, dass jeder Steuerungsstand versioniert und rückrollbar ist. Der entscheidende Effekt liegt dabei nicht in der Zahl der Vorfälle, sondern in ihrer Dauer: Ob eine Linie nach sechs Stunden oder nach zwanzig Minuten wieder läuft, hängt daran, ob es einen letzten bekannten guten Stand gibt.
Kurzstillstände sichtbar machen
Ein Werk erfasst Unterbrechungen unter fünf Minuten erstmals automatisiert statt über Schichtprotokolle. Die Pareto-Auswertung zeigt, dass drei Sensorpositionen zwei Drittel aller Micro-Stops verursachen, und die Nacharbeit dauert einen Tag statt eines Quartals.
Rollback statt nächtlicher Rekonstruktion
Nach einem fehlgeschlagenen Steuerungsupdate steht eine Linie um drei Uhr nachts. Weil der letzte freigegebene Stand in Git liegt und aus der Pipeline zurückgespielt werden kann, läuft die Anlage nach zwanzig Minuten wieder statt nach einer halben Schicht.
Instandhaltung und Automatisierung teilen sich die Ursachen
Ein Betreiber ordnet in der Störungserfassung erstmals eine eigene Kategorie für softwarebedingte Stillstände zu. Nach zwei Quartalen ist belegbar, welcher Anteil der Ausfallzeit nicht der Instandhaltung, sondern dem Änderungsprozess der Steuerungssoftware zuzurechnen ist.
- Was kostet eine Stunde Maschinenstillstand?
- In der diskreten Fertigung liegen die Kosten je nach Branche und Anlagengröße bei 10.000 bis 50.000 Euro pro Stunde, in der Automobilfertigung deutlich darüber. Die Rechnung besteht aus entgangenem Deckungsbeitrag, dem weiterlaufenden Maschinenstundensatz aus Abschreibung, Energie und Personal sowie Folgekosten aus Lieferverzug und Konventionalstrafen.
- Was ist der Unterschied zwischen geplantem und ungeplantem Stillstand?
- Ein geplanter Stillstand ist eingeplant und budgetiert: Wartung, Umbau, Rüsten, Betriebsruhe. Ein ungeplanter Stillstand tritt durch Störung ein und kostet zusätzlich, weil weder Ersatzkapazität noch Personal darauf vorbereitet sind. In der OEE-Berechnung reduzieren beide die Verfügbarkeit, wirtschaftlich unterscheiden sie sich erheblich.
- Welche Rolle spielt die Instandhaltung bei Maschinenstillständen?
- Die Instandhaltung deckt die mechanisch und elektrisch bedingten Ursachen ab, also Verschleiß, Ersatzteile und vorbeugende Wartung nach TPM oder Predictive Maintenance. Sie erreicht damit den größten Teil der klassischen Stillstandsgründe. Nicht abgedeckt sind softwarebedingte Ausfälle: Ein falscher Steuerungsstand ist kein Instandhaltungsfall, sondern ein Fall für Versionskontrolle und einen definierten Rückweg.
- Wie lassen sich ungeplante Maschinenstillstände reduzieren?
- Zuerst die Gründe lückenlos erfassen, dann per Pareto-Analyse die häufigsten drei bis fünf gezielt abstellen. Für verschleißbedingte Ausfälle sind TPM und Predictive Maintenance die Hebel, für rüstbedingte SMED. Für softwarebedingte Ausfälle sind es Versionierung des Steuerungscodes, automatisierte Tests vor dem Rollout und ein geprüfter Rückweg auf den letzten funktionierenden Stand.
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Weiterführende Primärquellen zu Maschinenstillstand: Normtexte, Hersteller- und Projektdokumentation. Alle Ziele öffnen in einem neuen Tab.
- /01REFA AGStillstandszeiten und Ausfallzeiten(externe Seite, öffnet in neuem Tab)
Die arbeitswissenschaftliche Begriffsdefinition, auf die sich die deutsche Fertigungspraxis beruft.
- /02VDIVDI 2893: Auswahl und Bildung von Kennzahlen für die Instandhaltung(externe Seite, öffnet in neuem Tab)
Regelwerk für Verfügbarkeits- und Ausfallkennzahlen, Grundlage der Stillstandsbewertung in der Instandhaltung.
- /03Siemens / SenseyeThe True Cost of Downtime 2024(externe Seite, öffnet in neuem Tab)
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