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Strategie·11. Juni 2026·Aktualisiert 27. August 2026·14 min Lesezeit

Value Stream
Mapping.
Engpässe sichtbar.

Die Methode, mit der Sie in zwei Tagen herausfinden, wo Ihre Lead Time wirklich verloren geht. Schritt für Schritt, mit Praxisbeispiel aus der Industrie und den vier Kennzahlen, die dafür reichen.

Andreas Schönfeld

Andreas Schönfeld

Geschäftsführer & DevOps-Coach, Comquent GmbH

20 Jahre DevOps-Transformation in Mittelstand und Konzern. Schwerpunkt: Reifegradanalyse, Value-Stream-Mapping, Team Topologies und Platform Engineering.

Veröffentlicht: 11. Juni 2026
Value Stream Mapping: den Software-Lieferprozess als Pipeline von der Idee bis zum Deployment visualisierenAI
01
// 01Kurz erklärt

Was ist
DevOps Value
Stream Mapping?

DevOps Value Stream Mapping, deutsch Wertstromanalyse, kartiert den DevOps Value Stream: den Software-Lieferprozess von der ersten Idee bis zum produktiven Deployment. Es macht Wartezeiten, Übergaben und Nacharbeit sichtbar und zeigt, an welcher Stelle sich die Lead Time am stärksten verkürzen lässt. In 80 bis 90 Prozent der Durchlaufzeit wartet eine Änderung nur, statt bearbeitet zu werden.

Stand: 27.08.2026 · Lean / Toyota Production System · DORA Report 2025

Die Methode stammt aus dem Lean Management der Fertigung. Bekannt gemacht hat sie das Standardwerk „Learning to See“ von Mike Rother und John Shook (Lean Enterprise Institute). In Industrial-DevOps-Kontexten hat sie einen zweiten Nutzen. Sie spricht die Sprache der Produktion und macht IT-Prozesse damit für OT-Verantwortliche lesbar.

80–90 %
der Lead Time ist Wartezeit
< 15 %
typische Flow Efficiency
1–2
Tage Workshop-Aufwand
90
Tage bis zur Nachmessung

Quelle: Comquent-Workshop-Erfahrungen 2006–2026 · DORA State of DevOps Report

Flow Efficiency · typischer Befund vor der Optimierung
≈ 15 % aktive Bearbeitung≈ 85 % Warte- und Liegezeit, hier setzt das Mapping an
// Kurz gefragt1 Klick, anonym

Ist Value Stream Mapping bei Ihnen gerade ein Thema?

Wir fragen kurz, wie dringend das Thema bei Ihnen gerade ist. Je nach Antwort zeigen wir Ihnen direkt den passenden nächsten Schritt — ganz ohne Formular.

02
// 02Warum mappen

Warum lohnt sich
Value Stream Mapping
vor jedem Tool-Kauf?

Weil Tools die Arbeitszeit verkürzen, die Lead Time aber in der Wartezeit verschwindet. Wer ohne Mapping in CI/CD-Tools investiert, beschleunigt häufig einen Schritt, der nie der Engpass war. Die Reihenfolge Tool zuerst, Diagnose später sehen wir in den meisten Häusern. Sie entsteht, weil sich ein Tool bestellen lässt, ein Engpass aber erst gefunden werden muss. Das Mapping liefert die Zahlen, mit denen Sie Investitionen priorisieren und im Management begründen. Die Forschung hinter „Accelerate“ (Forsgren, Humble, Kim) zeigt, dass kurze Lead Times mit der Unternehmens-Performance zusammenhängen.

Genau deshalb ist Value Stream Mapping der zweite Schritt jeder DevOps Beratung bei Comquent, direkt nach der Reifegradanalyse. Erst wissen, wo die Zeit bleibt, dann automatisieren.

03
// 03Anleitung

Wie führt man
Value Stream Mapping
in 6 Schritten durch?

Ein Value-Stream-Mapping-Workshop läuft in sechs Schritten: Prozess abgrenzen, Ist-Zustand mit allen Rollen aufnehmen, Zeiten aus echten Daten messen, Übergabe-Qualität bewerten, Engpässe priorisieren und einen Soll-Zustand mit Maßnahmen-Backlog ableiten. Aufwand: ein bis zwei Tage.

Häufig liest man auch von vier Schritten des Value Stream Mapping: Wertstrom abgrenzen, Ist-Zustand kartieren, Kennzahlen erheben, Soll-Zustand entwerfen. Das ist dieselbe Methode, nur gröber geschnitten. Die sechs Schritte unten trennen das Messen der Zeiten (/03) vom Bewerten der Übergabe-Qualität (/04) und ziehen das Maßnahmen-Backlog als eigenen Schritt heraus (/06). Welche Zählung Sie verwenden, ändert nichts am Ergebnis. Entscheidend ist, dass der Soll-Zustand am Ende Termine und Verantwortliche trägt.

  1. /01

    Prozess abgrenzen

    Ohne klare Grenzen wird das Mapping uferlos.

    Start- und Endpunkt definieren: vom Feature-Request oder Bug-Report bis zum produktiven Deployment. Welche Teams, Systeme und Freigabe-Instanzen sind beteiligt? Ein Wertstrom pro Mapping, nicht das ganze Unternehmen auf einmal.

  2. /02

    Ist-Zustand aufnehmen

    Den Prozess dokumentieren, wie er wirklich läuft, nicht wie er im Wiki steht.

    Jeden Schritt mit den Menschen aufnehmen, die ihn täglich ausführen: Wer macht was, mit welchem Tool, welche Übergaben? Ob Post-its an einer Wand hängen oder ein digitales Board läuft, ist zweitrangig. Entscheidend ist, dass alle Rollen im Raum sitzen.

  3. /03

    Zeiten messen

    Daten statt Bauchgefühl.

    Pro Schritt zwei Zeiten erfassen: aktive Bearbeitungszeit (Process Time) und Wartezeit davor. Quellen sind Ticket-System, Git-Historie und Pipeline-Daten. Häufigster Befund: 80–90 % der Durchlaufzeit sind reine Wartezeit auf Freigaben, Umgebungen und Feedback.

  4. /04

    Qualität bewerten

    Nacharbeit ist der unsichtbare Engpass.

    Pro Übergabe die Complete-&-Accurate-Quote (%C/A) schätzen: Wie oft kommt Arbeit so an, dass der nächste Schritt ohne Rückfragen weiterarbeiten kann? Werte unter 70 % markieren die Stellen, an denen Lead Time in Schleifen verloren geht.

  5. /05

    Engpässe priorisieren

    Nicht alles auf einmal. Die längste Wartezeit zuerst.

    Die längsten Wartezeiten und schlechtesten %C/A-Werte nach Aufwand und Wirkung priorisieren. Typische Kandidaten: manuelle Freigaben, geteilte Test-Umgebungen, handgepflegte Deployments, Ticket-Pingpong zwischen Abteilungen.

  6. /06

    Soll-Zustand & Backlog ableiten

    Das Mapping ist erst fertig, wenn Maßnahmen terminiert sind.

    Future-State-Map zeichnen, Maßnahmen als priorisiertes Optimierungs-Backlog festhalten, Verantwortliche benennen. Erfolg über Lead Time und DORA-Metriken nachmessen und nach 90 Tagen erneut mappen.

// 04Praxisbeispiel

Wie sieht ein
Value-Stream-Mapping-
Beispiel aus?

Anonymisiertes Beispiel aus dem Maschinenbau (Steuerungssoftware, ~200 Entwickler): Lead Time pro Änderung 6,5 Wochen, bei knapp fünf Tagen aktiver Arbeit. Flow Efficiency: 14 %. Die Tabelle zeigt, wo die Zeit blieb.

Wenn ein Team vor der fertigen Karte steht und sieht, dass zwei Tage echte Arbeit drei Wochen lang warten, wird es im Raum erst still. Dann kommt die Frage, warum das vorher niemandem aufgefallen ist. Ab da braucht das Mapping keine Überzeugungsarbeit mehr.

Prozessschritt
Arbeitszeit
Wartezeit
Ursache
Anforderung präzisieren
4 h
5 Tage
Backlog-Refinement nur alle 2 Wochen
Entwicklung + Code-Review
2,5 Tage
2 Tage
Review-Wartezeit, Kontextwechsel
Test auf Shared-Umgebung
1 Tag
8 Tage
Eine Test-SPS für vier Teams
Sicherheits-/Qualitätsfreigabe
2 h
6 Tage
Freigabe-Meeting nur freitags
Deployment ins Werk
4 h
7 Tage
Manuell, nur im Wartungsfenster
Zeitleiste · Breite proportional zur Dauer
Wartezeit (oben): 28 TageBearbeitung (unten): 4,75 Tage
VSM-Sägezahn-Diagramm: Wartezeit vs. Bearbeitungszeit über fünf Prozessschritte5 T01 · 4 h2 T02 · 2,5 T8 T03 · 1 T6 T04 · 2 h7 T05 · 4 h
/01 Anforderung präzisieren · /02 Entwicklung + Code-Review · /03 Test auf Shared-Umgebung · /04 Sicherheits-/Qualitätsfreigabe · /05 Deployment ins Werk · T = Arbeitstage à 8 h

Die Konsequenz aus dem Mapping: Test-Umgebung per Infrastructure as Code dupliziert, Freigabe in die Pipeline verlagert (automatisierte Quality Gates), Deployment automatisiert. Ergebnis nach 90 Tagen: Lead Time 2,5 Wochen. Das Team hat dafür keine einzige zusätzliche Entwicklerstunde gebraucht, es hat nur Wartezeit abgebaut.

Welche Symbole nutzt ein Wertstromdiagramm?

Sechs Symbole genügen: Prozesskasten, Datenkasten, Bestandsdreieck, Push-Pfeil, Informationsfluss und Kaizen-Blitz. Dazu die Sägezahn-Zeitleiste oben, die Warte- gegen Bearbeitungszeit stellt. Die vollständige Lean-Notation aus der Fertigung brauchen Sie für einen Software-Wertstrom nicht.

Genau hier zahlt sich die gemeinsame Sprache aus. Ein Fertigungsplaner liest ein Wertstromdiagramm ohne Einarbeitung, auch dann, wenn im Prozesskasten „Code-Review“ statt „Fräsen“ steht. In Industrial-DevOps-Projekten reden IT und OT an dieser Karte oft zum ersten Mal über denselben Prozess, mit denselben Symbolen.

Symbol
Bedeutung (Lean)
Entsprechung im Software-Wertstrom
Prozesskasten
Ein Prozessschritt mit Verantwortlichem
Pipeline-Stage oder Ticket-Status (z. B. „In Review“)
Datenkasten
Kennzahlen unter jedem Prozesskasten
Process Time, Lead Time und %C/A des Schritts
Bestandsdreieck
Liegender Bestand vor einem Schritt
Warteschlange: offene Pull Requests, Tickets im Review
Push-Pfeil
Weitergabe ohne Abruf durch den Empfänger
Übergabe per Ticket an ein anderes Team
Informationsfluss
Wer steuert den Prozess womit
Webhook, Pipeline-Trigger, Ticket-System
Kaizen-Blitz
Markierte Verbesserungsmaßnahme
Eintrag im Optimierungs-Backlog mit Verantwortlichem

Notation nach Mike Rother & John Shook, „Learning to See“ (Lean Enterprise Institute) · Übertragung auf Software-Wertströme durch Comquent

05
// 05Kennzahlen

Welche Kennzahlen
gehören ins Mapping?

Vier Kennzahlen reichen für ein aussagekräftiges Mapping. Nach der Optimierung messen Sie den Fortschritt in DORA-Metriken weiter. Lead Time for Changes ist das direkte Bindeglied.

Kennzahl
Bedeutung
Typischer Wert

Lead Time

Gesamtdurchlaufzeit von der Anforderung bis zum produktiven Deployment. Diese Kennzahl spüren Kunden und Management.

Wochen bis Monate

Process Time

Aktive Bearbeitungszeit über alle Schritte. Die Zeit, in der jemand an der Sache arbeitet.

Stunden bis Tage

%C/A

Complete & Accurate: Anteil der Übergaben, die ohne Rückfragen oder Nacharbeit weiterverarbeitet werden können.

< 70 % an Engpässen

Flow Efficiency

Process Time geteilt durch Lead Time. Der Anteil echter Wertschöpfung an der Durchlaufzeit.

< 15 % vor Optimierung

Kennzahlen-Definitionen nach Karen Martin & Mike Osterling, „Value Stream Mapping“ (McGraw-Hill 2013) · DORA Four Keys · Flow-Metriken: Mik Kersten, „Project to Product“ (IT Revolution 2018)

// 06KI im Wertstrom

Was ändert KI-gestützte
Entwicklung am
Wertstrom?

Sie verschiebt den Engpass, statt ihn aufzulösen. Coding-Assistenten verkürzen die Process Time, also die rund 15 Prozent der Durchlaufzeit, in denen jemand aktiv arbeitet. Die Warteschlangen davor und danach bleiben, wo sie sind, und füllen sich schneller: mehr offene Pull Requests im Review, mehr Änderungen vor derselben Freigabe, weiterhin eine Test-SPS für vier Teams.

Der DORA Report 2025 misst genau das. Er befragte rund 5.000 Fachleute und fand erstmals einen positiven Zusammenhang zwischen KI-Einsatz und Durchsatz, bei weiterhin negativem Zusammenhang mit der Stabilität. Die Autoren schreiben, KI beschleunige die Entwicklung, und diese Beschleunigung lege Schwächen weiter hinten im Prozess offen. Ohne automatisierte Tests, saubere Versionsverwaltung und schnelle Rückmeldung führt mehr Änderungsvolumen zu mehr Instabilität.

Für ein Mapping folgt daraus zweierlei. Messen Sie den Ist-Zustand, bevor Sie einen Assistenten flächig ausrollen. Danach lässt sich kaum noch trennen, was das Tool eingespart und was die längere Warteschlange wieder gefressen hat. Und geben Sie %C/A mehr Gewicht als bisher: Wenn mehr Code schneller ankommt, entscheidet die Übergabe-Qualität darüber, ob daraus Durchsatz wird oder Nacharbeit.

Praktisch heißt das: Halten Sie im Datenkasten jedes Prozessschritts fest, ob er KI-gestützt läuft. Sonst vergleichen Sie bei der Nachmessung nach 90 Tagen zwei verschiedene Prozesse und wissen am Ende weder, was gewirkt hat, noch, was Sie als Nächstes angehen sollten.

Quelle: DORA / Google Cloud, „2025 DORA Report: State of AI-assisted Software Development“, veröffentlicht am 23.09.2025 · Ankündigung mit den Kernbefunden

07
// 07Typische Fehler

Woran scheitert
Value Stream Mapping?

  • /01

    Mapping ohne die Ausführenden

    Wer den Prozess nur aus Jira kennt, mappt das Wiki, nicht die Realität. Alle Rollen in den Workshop holen, vom Product Owner bis zum Betrieb.

  • /02

    Schätzen statt messen

    Teams unterschätzen Wartezeiten fast immer. Werten Sie Ticket-Timestamps und Pipeline-Daten aus, bevor der Workshop startet. Eine geschätzte Karte zerlegt im Steering-Termin der Erste, der die Zahlen mit dem Ticketsystem abgleicht.

  • /03

    Beim Ist-Zustand stehen bleiben

    Eine schöne Karte ohne Maßnahmen-Backlog ist Dekoration. Wir haben Karten gesehen, die zwei Wochen im Flur hingen und nach drei Monaten im Altpapier lagen. Mit ihnen zwei Tage konzentrierter Arbeit von zwölf Leuten. Jeder Engpass bekommt eine Maßnahme, einen Verantwortlichen und einen Termin.

  • /04

    Einmal mappen, nie nachmessen

    Value Stream Mapping ist ein Zyklus. Nach 90 Tagen Lead Time und DORA-Metriken prüfen, dann das Mapping wiederholen.

Der häufigste Fehler steht nicht in der Liste: das Mapping gar nicht erst zu machen. Als moderierter Workshop gehört Value Stream Mapping fest zu unserem DevOps Coaching, mit Datenerhebung vorab und priorisiertem Backlog als Ergebnis. Der Einstieg ist unverbindlich. Ein kostenloses Erstgespräch von 30 Minuten genügt, um zu klären, welcher Wertstrom sich für das erste Mapping eignet.

08
// 08Abgrenzung

Value Stream Mapping
oder Value Stream
Management?

Value Stream Mapping ist die einmalige Analyse-Methode, ein moderierter Workshop, der den Ist-Zustand als Momentaufnahme kartiert und Engpässe priorisiert. Value Stream Management (VSM) ist die kontinuierliche, meist tool-gestützte Praxis, die den Wertstrom danach laufend misst und steuert. Kurz: Das Mapping ist die Diagnose, das Management der Dauerbetrieb. Beides gehört zusammen.

Die Methode

Value Stream Mapping

  • /01Einmaliger, moderierter Workshop (1–2 Tage)
  • /02Ist-Zustand als Momentaufnahme (Current-State-Map)
  • /03Ergebnis: priorisiertes Optimierungs-Backlog
  • /04Tools: Whiteboard, Miro oder Mural, dazu echte Daten
Die laufende Praxis

Value Stream Management

  • /01Kontinuierliche Messung statt Momentaufnahme
  • /02Flow-Metriken laufend aus Ticket- und Pipeline-Daten
  • /03Ergebnis: Frühwarnung bei neuen Engpässen
  • /04Tools: GitLab, Jira, Plutora, Flow-Plattformen

Wertstromanalyse oder Wertstromdesign?

Die Wertstromanalyse kartiert den Ist-Zustand (Current-State-Map), das Wertstromdesign entwirft daraus den Soll-Zustand (Future-State-Map). Im Deutschen sind das zwei Begriffe für zwei Arbeitsschritte, im Englischen fallen beide unter Value Stream Mapping. In dieser Anleitung ist die Analyse Schritt /01 bis /05, das Wertstromdesign Schritt /06.

Die Unterscheidung ist mehr als Terminologie. Wer nur analysiert, hat am Ende eine Karte. Wer designt, hat einen Zielprozess, an dem sich jede Investition messen lässt. Genau darauf zielt der zweite Workshop-Tag.

Für den Workshop selbst braucht es kein spezielles Tool. Entscheidend sind die Daten aus DORA-Metriken, Ticket-System und CI/CD-Pipeline. Erst danach lohnt der Schritt zum dauerhaften Value Stream Management, begleitet über unser DevOps Coaching und eine CI/CD-Implementierung, die die im Mapping gefundenen Wartezeiten automatisiert. Mehr Begriffe im VSM-Glossar.

// 09Häufige Fragen

Was Teams
wirklich fragen.

Q.01
Was ist Value Stream Mapping in DevOps?
Value Stream Mapping (Wertstromanalyse) visualisiert in DevOps den gesamten Software-Lieferprozess von der Idee bis zum produktiven Deployment. Es macht Wartezeiten, Übergaben und Nacharbeit sichtbar und zeigt, an welcher Stelle sich die Lead Time am stärksten verkürzen lässt. In 80 bis 90 Prozent der Durchlaufzeit wartet eine Änderung nur, statt bearbeitet zu werden.
Q.02
Was ist ein DevOps Value Stream?
Ein DevOps Value Stream ist die Kette aller Schritte, die eine Änderung von der Idee bis zum produktiven Deployment durchläuft, über Anforderung, Entwicklung, Review, Test, Freigabe und Betrieb hinweg. Anders als in der Fertigung fließt dabei Information statt Material: Die Warteschlangen bestehen aus Tickets und offenen Pull Requests, nicht aus Halbzeugen. Value Stream Mapping macht genau diesen Wertstrom sichtbar und misst ihn.
Q.03
Was sind die 4 Schritte des Value Stream Mapping?
Das verbreitete Vier-Schritte-Modell lautet: Wertstrom abgrenzen, Ist-Zustand kartieren, Kennzahlen erheben, Soll-Zustand entwerfen. Die sechs Schritte in dieser Anleitung sind dieselbe Methode, nur feiner geschnitten. Sie trennen das Messen der Zeiten vom Bewerten der Übergabe-Qualität und ziehen das Maßnahmen-Backlog als eigenen Schritt heraus. Welche Zählung Sie verwenden, ändert am Ergebnis nichts; entscheidend ist, dass der Soll-Zustand mit Terminen und Verantwortlichen hinterlegt wird.
Q.04
Was ist der Unterschied zwischen Value Stream Mapping und Value Stream Management?
Value Stream Mapping ist die einmalige Analyse-Methode: ein moderierter Workshop, der den Ist-Zustand als Momentaufnahme kartiert und Engpässe priorisiert. Value Stream Management (VSM) ist die kontinuierliche, meist tool-gestützte Praxis, die den Wertstrom danach laufend misst und steuert, etwa über Plattformen wie GitLab, Atlassian Jira oder Plutora. Kurz: Mapping ist die Diagnose, Management der Dauerbetrieb.
Q.05
Welche Tools eignen sich für Value Stream Mapping?
Für den Workshop selbst genügt ein Whiteboard oder ein digitales Board wie Miro oder Mural. Entscheidend sind die Daten aus Ticket-System, Git-Historie und CI/CD-Pipeline, nicht das Tool. Für die kontinuierliche Messung danach (Value Stream Management) kommen Plattformen wie GitLab, Jira, Plutora oder Flow-Metrik-Tools nach dem Framework von Mik Kersten zum Einsatz.
Q.06
Was ist der Unterschied zwischen Value Stream Mapping und Wertstromanalyse?
Wertstromanalyse ist der deutsche Begriff für Value Stream Mapping. Die Methode stammt aus dem Lean Management der Fertigung (Toyota). In der Softwareentwicklung wird meist der englische Begriff verwendet; Vorgehen und Kennzahlen sind identisch, nur das „Material“ ist Information statt physischer Teile.
Q.07
Was ist der Unterschied zwischen Wertstromanalyse und Wertstromdesign?
Die Wertstromanalyse kartiert den Ist-Zustand (Current-State-Map), das Wertstromdesign entwirft daraus den Soll-Zustand (Future-State-Map). In der Lean-Literatur sind das zwei getrennte Arbeitsschritte, in der Praxis laufen sie im selben Workshop zusammen. In dieser Anleitung ist die Analyse Schritt /01 bis /05, das Wertstromdesign Schritt /06. Ohne Design bleibt die Analyse eine Bestandsaufnahme ohne Konsequenz.
Q.08
Was sind die drei Arten von Value-Stream-Maps?
Die Lean-Literatur unterscheidet Current-State-Map (Ist-Zustand), Future-State-Map (Soll-Zustand) und Ideal-State-Map (langfristiges Zielbild ohne die heutigen Restriktionen). Für einen DevOps-Wertstrom genügen in der Praxis die ersten beiden. In dieser Anleitung entsteht die Current-State-Map in den Schritten /01 bis /05, die Future-State-Map in Schritt /06. Die Ideal-State-Map lohnt sich erst, wenn mehrere Mapping-Zyklen gelaufen sind und die großen Wartezeiten bereits abgebaut wurden.
Q.09
Ist Value Stream Mapping ein Six-Sigma-Werkzeug?
Value Stream Mapping stammt aus dem Lean Management (Toyota-Produktionssystem), nicht aus Six Sigma. In Lean-Six-Sigma-Programmen dient es aber häufig als Analysewerkzeug, weil beide Ansätze am Prozessfluss ansetzen. Für den Einsatz in DevOps brauchen Sie kein Six-Sigma-Framework. Ein moderierter Workshop plus die Daten aus Ticket-System und CI/CD-Pipeline genügen.
Q.10
Welche Symbole nutzt ein Wertstromdiagramm?
Die klassische Notation kennt Prozesskasten, Datenkasten, Bestandsdreieck, Push-Pfeil, Informationsfluss und Kaizen-Blitz. Dazu die Sägezahn-Zeitleiste, die Warte- und Bearbeitungszeit gegenüberstellt. In Software-Wertströmen bleiben Datenkasten, Zeitleiste und Kaizen-Blitz unverändert nützlich; aus dem Bestandsdreieck wird die Warteschlange (offene Pull Requests, Tickets im Review), aus dem Push-Pfeil die Übergabe per Ticket. Für den Workshop reichen diese sechs Symbole aus. Eine vollständige Lean-Notation ist nicht nötig.
Q.11
Welche Kennzahlen nutzt Value Stream Mapping?
Die drei Kernkennzahlen sind Lead Time (Gesamtdurchlaufzeit), Process Time (aktive Bearbeitungszeit) und %C/A (Complete & Accurate, also der Anteil der Übergaben ohne Rückfragen oder Nacharbeit). Die Flow Efficiency (Process Time geteilt durch Lead Time) liegt in Software-Lieferprozessen oft unter 15 Prozent.
Q.12
Wie lange dauert ein Value-Stream-Mapping-Workshop?
Ein fokussierter Value-Stream-Mapping-Workshop dauert ein bis zwei Tage: ein halber Tag Datenerhebung vorab, ein Tag moderiertes Mapping mit allen beteiligten Rollen, ein halber Tag Priorisierung und Backlog. Entscheidend ist, dass alle Rollen im Raum sitzen, von der Anforderung bis zum Betrieb.
Q.13
Macht KI-gestützte Entwicklung Value Stream Mapping überflüssig?
Nein, sie macht es dringlicher. Coding-Assistenten verkürzen die Process Time, also die 15 Prozent der Durchlaufzeit, in denen jemand aktiv arbeitet. Die Warteschlangen davor und danach bleiben bestehen und füllen sich schneller. Der DORA Report 2025 misst dazu erstmals einen positiven Zusammenhang zwischen KI-Einsatz und Durchsatz bei weiterhin negativem Zusammenhang mit der Stabilität. Ein Mapping vor dem Rollout gibt Ihnen die Ausgangswerte, an denen Sie den Effekt später überhaupt ablesen können.
Q.14
Wann lohnt sich Value Stream Mapping?
Immer dann, wenn Releases gefühlt „ewig“ dauern und niemand genau sagen kann, warum: vor einer DevOps-Transformation als Standortbestimmung, vor Tool-Investitionen als Priorisierungsgrundlage und bei IT/OT-Prozessen, die über Abteilungsgrenzen laufen. Als Faustregel: Wenn Sie die Lead Time in Wochen zählen, die reine Arbeitszeit aber in Stunden, ist Mapping überfällig.
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// Nächster Schritt

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