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DevSecOps · Compliance·26. Mai 2026·Aktualisiert 16. Oktober 2026·15 min Lesezeit

NIS2.
Wer ist betroffen?
Und was jetzt?

Die Prüfung nach § 28 BSIG in vier Fragen, mit Schwellenwerten, Sonderfällen und Rechenbeispielen. Dazu, was nach einem Ja folgt: Registrierung, Pflichten, Meldefristen und Nachweise aus der CI/CD-Pipeline.

Industrial-Precision-Schema zu NIS2: links ein industrieller Schaltschrank als Blueprint-Cutaway, in der Mitte ein Betroffenheits-Radar mit drei Ringen für besonders wichtige Einrichtungen, wichtige Einrichtungen und Lieferkette, rechts eine CI/CD-Pipeline mit Quality Gates, die in ein signiertes Audit-Artefakt mündetAI
// Kurz beantwortet

Von NIS2 betroffen ist, wessen Tätigkeit unter einen der 18 NIS2-Sektoren fällt und wer mindestens 50 Beschäftigte hat oder einen Jahresumsatz und eine Jahresbilanzsumme von jeweils über 10 Millionen Euro ausweist. In Deutschland regelt das seit dem 6. Dezember 2025 § 28 BSIG. Er unterscheidet „wichtige“ und „besonders wichtige Einrichtungen“, Letztere ab 250 Beschäftigten und nur in den Sektoren der Anlage 1. Betreiber kritischer Anlagen, DNS-Anbieter und einige weitere fallen ohne Größenschwelle darunter. Wer betroffen ist, muss sich beim BSI registrieren, zehn Risikomanagement-Maßnahmen umsetzen und erhebliche Sicherheitsvorfälle binnen 24 Stunden melden. Bis zum 30. September 2026 hatten sich 20.141 Einrichtungen registriert, das BSI rechnet mit rund 29.500.

Stand 16. Oktober 2026BSIG vom 06.12.2025BSI-Zahlen vom 30.09.2026
// Kurz gefragt1 Klick, anonym

Ist NIS2 bei Ihnen gerade ein Thema?

Wir fragen kurz, wie dringend das Thema bei Ihnen gerade ist. Je nach Antwort zeigen wir Ihnen direkt den passenden nächsten Schritt — ganz ohne Formular.

// 01Betroffenheit

Wer ist von NIS2 betroffen?

Von NIS2 betroffen sind Unternehmen, deren Tätigkeit unter eine Einrichtungsart der Anlage 1 oder 2 BSIG fällt und die mindestens 50 Beschäftigte haben oder einen Jahresumsatz und eine Jahresbilanzsumme von jeweils über 10 Millionen Euro ausweisen. Das BSI-Gesetz nennt sie „wichtige Einrichtungen“. Unternehmen der Anlage 1 mit 250 Beschäftigten oder mehr als 50 Mio € Umsatz bei mehr als 43 Mio € Bilanzsumme sind „besonders wichtige Einrichtungen“. Betreiber kritischer Anlagen, Vertrauensdiensteanbieter, DNS-Anbieter, TLD-Registries und öffentliche Telekommunikationsanbieter sind unabhängig von ihrer Größe erfasst.

Die Betroffenheitsprüfung in vier Fragen

Für die erste Einordnung brauchen Sie drei Unterlagen: den letzten Jahresabschluss, die Beschäftigtenzahl und eine ehrliche Liste dessen, was Ihr Unternehmen tatsächlich verkauft. Damit gehen Sie diese vier Fragen der Reihe nach durch. Das BSI bietet dieselbe Prüfung als anonyme Online-Betroffenheitsprüfung an, das Ergebnis ist dort wie hier eine Orientierung und keine Rechtsauskunft.

  1. /01

    Fällt Ihre Tätigkeit unter eine Einrichtungsart der Anlage 1 oder 2 BSIG?

    Die Anlagen beschreiben Tätigkeiten, keine Branchenschilder. Ein Maschinenbauer steht über den Maschinenbau in Anlage 2, ein Pharmahersteller über das Gesundheitswesen in Anlage 1. Tätigkeiten, die im Verhältnis zum Gesamtgeschäft vernachlässigbar sind, bleiben außen vor (§ 28 Abs. 3 BSIG). Kein Treffer? Dann weiter mit Frage 3.

  2. /02

    Erreichen Sie die Größenschwelle?

    Mindestens 50 Beschäftigte, oder Jahresumsatz und Jahresbilanzsumme von jeweils über 10 Mio €. Wer eine der beiden Bedingungen erfüllt, ist mindestens wichtige Einrichtung. Steht Ihre Tätigkeit in Anlage 1 und haben Sie 250 Beschäftigte oder mehr als 50 Mio € Umsatz bei mehr als 43 Mio € Bilanzsumme, sind Sie besonders wichtige Einrichtung.

  3. /03

    Gehören Sie zu den Sonderfällen ohne Größenschwelle?

    Betreiber kritischer Anlagen, Vertrauensdiensteanbieter, DNS-Diensteanbieter, TLD-Registries und Anbieter öffentlicher Telekommunikationsnetze oder -dienste fallen unabhängig von ihrer Größe unter das Gesetz. Für alle anderen endet die Prüfung hier mit einem Nein.

  4. /04

    Beliefern Sie eine betroffene Einrichtung?

    Dann sind Sie nicht selbst pflichtig. Ihr Kunde muss aber die Sicherheit seiner Lieferkette nachweisen (§ 30 Abs. 2 Nr. 4 BSIG) und reicht die Anforderungen über den Vertrag an Sie weiter.

Geschäftsführerin, kaufmännischer Leiter und IT-Leiter an einem Besprechungstisch mit Jahresabschluss und einer Liste, auf der eine Zeile orange markiert ist; der IT-Leiter zeigt auf dem Laptop einen Fragebogen, hinter der Glaswand liegt die MontagehalleAI
Für die erste Einordnung reichen drei Unterlagen: Jahresabschluss, Beschäftigtenzahl und eine ehrliche Liste dessen, was Ihr Unternehmen verkauft.

Besonders wichtige oder wichtige Einrichtung?

Welche der beiden Stufen gilt, entscheidet die Kombination aus Einrichtungsart und Größe. Die Stufe bestimmt, wie das BSI Sie beaufsichtigt und wie hoch ein Bußgeld ausfallen kann. Die Pflichten aus § 30 BSIG sind für beide fast gleich.

Einrichtungsart
WichtigAnlage 1 oder Anlage 2Besonders wichtignur Anlage 1
Beschäftigte
Wichtigab 50Besonders wichtigab 250
oder Finanzkennzahlen
WichtigUmsatz und Bilanzsumme je über 10 Mio €Besonders wichtigUmsatz über 50 Mio € und Bilanzsumme über 43 Mio €
Ohne Größenschwelle
WichtigVertrauensdiensteanbieter, kleine TelekommunikationsanbieterBesonders wichtigKRITIS-Betreiber, qualifizierte Vertrauensdienste, DNS, TLD-Registries
Aufsicht durch das BSI
Wichtigwenn Tatsachen auf Verstöße hindeutenBesonders wichtigauch ohne Anlass, etwa durch angeordnete Audits
Bußgeld bei Verstößen gegen §§ 30 oder 32
Wichtigbis 7 Mio €, ab 500 Mio € Gesamtumsatz bis 1,4 %Besonders wichtigbis 10 Mio €, ab 500 Mio € Gesamtumsatz bis 2 %
Beim BSI registriert, Stand 30.09.2026
Wichtig13.252Besonders wichtig6.837, davon 1.447 KRITIS

Für die Industrie folgt daraus eine Regel, die oft übersehen wird. Maschinenbau, Elektroindustrie und Fahrzeugbau stehen in Anlage 2, und dort gibt es keine besonders wichtigen Einrichtungen. Ein Maschinenbauer mit 5.000 Beschäftigten bleibt deshalb wichtige Einrichtung, solange er keine kritische Anlage betreibt und keine Tätigkeit aus Anlage 1 ausübt.

Ein Hinweis zu den Begriffen: Die EU-Richtlinie spricht von „wesentlichen“ und „wichtigen“ Einrichtungen. Das BSI-Gesetz sagt „besonders wichtig“ statt „wesentlich“ und meint dieselbe Gruppe. Wer in Unterlagen „wesentliche Einrichtung“ liest, hat die Sprache der Richtlinie vor sich, nicht die des deutschen Gesetzes.

Welche Sektoren fallen unter NIS2?

Die Richtlinie zählt 18 Sektoren, elf in Anhang I und sieben in Anhang II. Das BSI-Gesetz fasst die elf aus Anhang I in seiner Anlage 1 zu sieben Sektoren zusammen, etwa Trinkwasser und Abwasser zu „Wasser“, und regelt die öffentliche Verwaltung gesondert in § 29. Anlage 2 übernimmt die sieben Sektoren aus Anhang II. Neben jedem Sektor steht, wie viele Einrichtungen sich bis zum 30.09.2026 dafür beim BSI registriert haben.

Anlage 1 · beide Stufen möglich
  • EnergieStrom, Fernwärme und -kälte, Kraftstoff und Heizöl, Gas2.794
  • Transport und VerkehrLuftverkehr, Schiene, Schifffahrt, Straße574
  • FinanzwesenBanken und Finanzmarktinfrastrukturen871
  • GesundheitKrankenhäuser, Labore, Pharma3.703
  • WasserTrinkwasser und Abwasser798
  • Digitale InfrastrukturCloud, Rechenzentren, Telekommunikation, Managed Services2.674
  • WeltraumBodeninfrastruktur16
Anlage 2 · nur wichtige Einrichtungen
  • Transport und VerkehrPost- und Kurierdienste234
  • Abfallbewirtschaftung1.017
  • ChemieHerstellung und Handel mit chemischen Stoffen821
  • LebensmittelProduktion, Verarbeitung und Vertrieb1.986
  • Verarbeitendes GewerbeMedizinprodukte, Elektronik, elektrische Ausrüstung, Maschinenbau, Fahrzeugbau4.739
  • Anbieter digitaler DiensteOnline-Marktplätze, Suchmaschinen, soziale Netzwerke228
  • Forschung107

Quelle: BSI, NIS-2 in Zahlen, Stand 30.09.2026. Eine Einrichtung kann mehrere Sektoren angeben, die Summe liegt deshalb über 20.141. Dazu kommen 337 Registrierungen der öffentlichen Verwaltung.

Auffällig ist das verarbeitende Gewerbe. Mit 4.739 Registrierungen ist es der größte einzelne Sektor, noch vor dem Gesundheitswesen. Für die meisten dieser Unternehmen ist es der erste Kontakt mit dem BSI überhaupt. Bis Dezember 2025 war IT-Sicherheitsrecht für sie etwas, das Energieversorger und Krankenhäuser betraf.

Zählt der Umsatz oder die Bilanzsumme?

Beides zusammen. § 28 BSIG verknüpft die Beschäftigtenzahl mit oder, die beiden Finanzkennzahlen untereinander aber mit und. Wichtige Einrichtung ist deshalb, wer mindestens 50 Personen beschäftigt oder wer Jahresumsatz und Jahresbilanzsumme von jeweils über 10 Mio € ausweist. Umsatz allein genügt nicht.

Der Unterschied ist keine Spitzfindigkeit, wie die Beispiele zeigen. Wer nur auf den Umsatz schaut, stuft sich beim ersten Unternehmen falsch ein und baut ein Programm auf, das das Gesetz nicht verlangt.

  • Zulieferer, Anlage 2
    40 Beschäftigte · 14 Mio € Umsatz · 8 Mio € Bilanzsumme
    nicht pflichtig

    Unter 50 Beschäftigten, und die Bilanzsumme bleibt unter 10 Mio €. Der Umsatz allein reicht nicht.

  • Elektronikfertiger, Anlage 2
    45 Beschäftigte · 12 Mio € Umsatz · 11 Mio € Bilanzsumme
    wichtige Einrichtung

    Beide Finanzkennzahlen liegen über 10 Mio €. Die Beschäftigtenzahl spielt dann keine Rolle mehr.

  • Maschinenbauer, Anlage 2
    1.200 Beschäftigte · 310 Mio € Umsatz
    wichtige Einrichtung

    In Anlage 2 gibt es keine besonders wichtigen Einrichtungen, egal wie groß das Unternehmen ist.

  • Stadtwerk, Anlage 1
    260 Beschäftigte
    besonders wichtige Einrichtung

    Anlage 1 und mindestens 250 Beschäftigte. Betreibt es eine kritische Anlage, gilt das unabhängig von der Größe.

Gezählt wird nach der KMU-Empfehlung der EU-Kommission (2003/361/EG): Teilzeitkräfte anteilig, Auszubildende nicht. Partner- und verbundene Unternehmen werden ausnahmsweise nicht hinzugerechnet, wenn die Einrichtung ihre IT nachweislich unabhängig von der Gruppe betreibt (§ 28 Abs. 4 BSIG). Bei Tochtergesellschaften im Konzern hängt die Einstufung oft an genau dieser Ausnahme.

Wer fällt nicht unter NIS2?

Nicht erfasst sind Unternehmen unterhalb der Schwellen des § 28 BSIG und Branchen, die in keiner der beiden Anlagen stehen, etwa Baugewerbe, Gastgewerbe und Einzelhandel. Eine Brauerei mit sechs Beschäftigten und 4 Mio € Umsatz gehört zwar zum Sektor Lebensmittel, bleibt aber deutlich unter der Größenschwelle und ist nicht pflichtig.

Vernachlässigbare Geschäftstätigkeiten bleiben bei der Zuordnung unberücksichtigt (§ 28 Abs. 3 BSIG). Ein Maschinenbauer mit angeschlossener Kantine wird nicht über den Sektor Lebensmittel erfasst. Eine feste Prozentgrenze nennt das Gesetz nicht, maßgeblich sind Umsatzanteil, Personaleinsatz und Bedeutung für das Geschäftsmodell. Halten Sie die Einschätzung schriftlich fest, denn im Streitfall müssen Sie sie begründen. Einrichtungen der Bundesverwaltung regelt § 29 BSIG gesondert.

Ein Vorbehalt bleibt selbst dann. Sobald ein betroffener Kunde seine Lieferkette absichern muss, reicht er die Anforderungen vertraglich weiter. Für Zulieferer im Maschinenbau und in der Steuerungstechnik ist das inzwischen der häufigere Weg in die NIS2-Pflichten als die eigene Betroffenheit. Wer dann SBOM und Schwachstellenmanagement vorweisen kann, beantwortet den Fragebogen, statt das Projekt zu verlieren. Was die Pflichten für Stadtwerke, Wasser- und Abwasserbetriebe in der Leit- und Fernwirktechnik bedeuten, zeigt der Anwendungsfall Energie- und Wasserversorger, den Begriff selbst erklärt das Glossar unter NIS2-Richtlinie.

Qualitätsingenieurin mit Tablet im Versand eines Schaltschrankbauers, neben ihr ein in Folie verpackter Schaltschrank auf einer Palette und auf dem Packtisch eine Bestellung mit orange markiertem AnhangAI
Die Anforderungen kommen mit der Bestellung, auch wenn Sie selbst nicht pflichtig sind.
// In 2 Klicks: NIS2-OrientierungSchritt 1 / 2

Sind Sie voraussichtlich von NIS2 betroffen?

Ob NIS2 Sie trifft, entscheidet die Kombination aus Größe und Sektor. Diese Orientierung ersetzt keine Rechtsprüfung, sortiert Sie aber grob ein. Zwei Klicks, und Sie wissen, ob Sie das Thema priorisieren sollten.

Unternehmensgröße?

// 02Deutsche Umsetzung

Wie weit ist die NIS2-Umsetzung in Deutschland?

Das NIS2-Umsetzungsgesetz gilt seit dem 6. Dezember 2025, ohne Übergangsfrist. Die Frist, sich beim BSI zu registrieren, ist am 6. März 2026 abgelaufen. Bis zum 30. September 2026 hatten sich 20.141 Einrichtungen registriert, 13.252 wichtige und 6.837 besonders wichtige. Das BSI selbst hatte mit rund 29.500 Betroffenen gerechnet.

Rechnet man mit dieser Schätzung, fehlen noch gut 9.000 Einrichtungen. Die meisten davon hatten vorher nie mit dem BSI zu tun: Unter den registrierten sind nur 1.447 Betreiber kritischer Anlagen, für alle anderen ist das BSI-Portal Neuland. Nachholen zählt jetzt mehr als Erklären.

Der Weg zum Gesetz
  1. 16.01.2023

    Die NIS2-Richtlinie (EU) 2022/2555 tritt in Kraft.

  2. 17.10.2024

    Die Umsetzungsfrist der EU endet. Deutschland verpasst sie, der erste Gesetzentwurf scheitert im November 2024 mit der Regierungskoalition, und die EU-Kommission leitet ein Vertragsverletzungsverfahren ein.

  3. 13.11.2025

    Der Bundestag beschließt das NIS2-Umsetzungs- und Cybersicherheitsstärkungsgesetz (NIS2UmsuCG), am 21.11.2025 stimmt der Bundesrat zu.

  4. 06.12.2025

    Das Gesetz tritt in Kraft, einen Tag nach der Verkündung im Bundesgesetzblatt. Das neu gefasste BSI-Gesetz gilt ohne Übergangsfrist.

  5. 06.01.2026

    Das BSI schaltet sein Portal für die Registrierung frei.

  6. 20.01.2026

    Die EU-Kommission schlägt gezielte Änderungen an der Richtlinie vor.

  7. 06.03.2026

    Die dreimonatige Registrierungsfrist für alle, die seit dem 06.12.2025 betroffen sind, läuft ab.

  8. 30.09.2026

    20.141 Einrichtungen sind beim BSI registriert, 1.272 Erstmeldungen zu Sicherheitsvorfällen sind eingegangen. Die nächsten Zahlen kündigt das BSI für Ende Januar 2027 an.

Wie läuft die NIS2-Registrierung beim BSI?

Die Registrierung läuft in zwei Schritten: zuerst ein Konto bei „Mein Unternehmenskonto“, dann die Registrierung im BSI-Portal. Abgefragt wird, was § 33 BSIG vorgibt: Name, Rechtsform und Handelsregisternummer, Kontaktdaten mit E-Mail-Adresse und öffentlichen IP-Adressbereichen, der Sektor, die EU-Staaten, in denen Sie tätig sind, und die zuständigen Aufsichtsbehörden.

Die Frist beträgt drei Monate ab dem Tag, an dem Ihr Unternehmen unter das Gesetz fällt. Für alle, die es schon am 6. Dezember 2025 waren, endete sie am 6. März 2026. Wer erst später über die Schwelle wächst, etwa durch einen Zukauf, hat drei Monate ab diesem Zeitpunkt. Ändern sich die Angaben, tragen Sie das binnen zwei Wochen nach.

Eine Nachfrist sieht das Gesetz nicht vor, und einen Bescheid, der Ihnen die Betroffenheit mitteilt, gibt es anders als bei KRITIS ebenfalls nicht. Die Einstufung ist Ihre Aufgabe. Wer sich nicht registriert, kann vom BSI im Einvernehmen mit der Aufsicht selbst registriert und zur Vorlage von Unterlagen aufgefordert werden (§ 33 Abs. 3 und 4 BSIG). Der Bußgeldrahmen für eine fehlende Registrierung liegt bei 500.000 €.

Ändert die EU die NIS2-Richtlinie schon wieder?

Die EU-Kommission hat am 20. Januar 2026 gezielte Änderungen vorgeschlagen, beschlossen ist davon noch nichts. Für mittelgroße Industrieunternehmen zählt vor allem ein Punkt: Unternehmen mit weniger als 750 Beschäftigten und höchstens 150 Mio € Umsatz oder 129 Mio € Bilanzsumme sollen in der Regel als wichtige statt als besonders wichtige Einrichtung gelten. Die Eintrittsschwellen von 50 Beschäftigten und 10 Mio € bleiben, wie sie sind. Dazu kommen genauere Meldepflichten bei Ransomware.

Der Vorschlag liegt bei Parlament und Rat. Nach einer Einigung muss ihn jeder Mitgliedstaat noch in nationales Recht übertragen, bis dahin gilt das BSI-Gesetz so, wie es heute steht. Wer die eigene Umsetzung mit Blick auf die Reform verschiebt, wartet auf eine mildere Aufsicht und lässt dabei Pflichten liegen, die die Reform gar nicht anfasst. Quelle: Pressemitteilung der EU-Kommission vom 20.01.2026.

// 03Pflichten & Meldefristen

Welche Anforderungen und Pflichten bringt NIS2?

Betroffene Unternehmen müssen sich registrieren, zehn Risikomanagement-Maßnahmen nach § 30 BSIG umsetzen und dokumentieren und erhebliche Sicherheitsvorfälle in festen Fristen melden. Die Verantwortung dafür trägt die Geschäftsleitung. Die zehn Maßnahmen sind der Mindeststandard aus § 30 Abs. 2, in der Richtlinie steht dieselbe Liste in Artikel 21.

  1. Nr. 1Konzepte für Risikoanalyse und IT-Sicherheit
  2. Nr. 2Bewältigung von Sicherheitsvorfällen
  3. Nr. 3Betrieb aufrechterhalten: Backup, Wiederherstellung, Krisenmanagement
  4. Nr. 4Sicherheit der Lieferkette
  5. Nr. 5Sicherheit bei Erwerb, Entwicklung und Wartung von IT-Systemen, einschließlich Schwachstellenmanagement
  6. Nr. 6Prüfen, ob die Maßnahmen wirken
  7. Nr. 7Schulungen und Sensibilisierung
  8. Nr. 8Kryptografie
  9. Nr. 9Personalsicherheit, Zugriffskontrolle und Verwaltung der IT-Systeme
  10. Nr. 10Multi-Faktor-Authentifizierung und gesicherte Kommunikation, auch für den Notfall

Verhältnismäßig heißt dabei nicht beliebig. Das Gesetz verlangt geeignete und wirksame Maßnahmen nach dem Stand der Technik und lässt Größe, Kosten und Risikolage der Einrichtung in die Bewertung einfließen. Ein Maschinenbauer mit 80 Beschäftigten braucht kein eigenes Security Operations Center. Er muss aber belegen können, warum seine Maßnahmen zu seinem Risiko passen, denn § 30 verlangt ausdrücklich, dass die Einhaltung dokumentiert ist.

Welche Meldefristen gelten bei einem Sicherheitsvorfall?

Erhebliche Sicherheitsvorfälle melden Sie über das BSI-Portal an die gemeinsame Meldestelle von BSI und Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, in bis zu vier Stufen (§ 32 BSIG). Bis zum 30. September 2026 gingen dort 1.272 Erstmeldungen ein.

Frühe Erstmeldung
24 Stunden

Spätestens 24 Stunden nach Kenntnis eines erheblichen Sicherheitsvorfalls. Sie sagt, ob ein rechtswidriger oder böswilliger Eingriff vermutet wird und ob der Vorfall über Landesgrenzen wirken könnte.

Meldung
72 Stunden

Bestätigt oder aktualisiert die Erstmeldung und bewertet den Vorfall erstmals: Schweregrad, Auswirkungen und, falls vorhanden, Kompromittierungsindikatoren (IoCs).

Zwischenmeldung
auf Anfrage

Nur wenn das BSI nachfragt: der aktuelle Stand der Bearbeitung.

Abschlussmeldung
1 Monat

Spätestens einen Monat nach der 72-Stunden-Meldung: ausführliche Beschreibung, wahrscheinliche Ursache, getroffene und laufende Abhilfemaßnahmen. Läuft der Vorfall noch, folgt zuerst eine Fortschrittsmeldung.

Nachtschicht in einer Montagehalle für Verpackungsmaschinen, die Linie steht und die Signalleuchte zeigt Rot; ein Ingenieur telefoniert am Leitstand mit zwei dunklen Bildschirmen, eine Kollegin schreibt am Laptop die erste MeldungAI
Ab Kenntnis des Vorfalls laufen 24 Stunden für die frühe Erstmeldung, parallel zur Eindämmung.

Beispiel Maschinenbau. Ein Hersteller von Verpackungsanlagen mit 120 Beschäftigten ist als verarbeitendes Gewerbe eine wichtige Einrichtung. Verschlüsselt Ransomware die Leitrechner der Montagelinie, läuft ab Kenntnis die 24-Stunden-Frist für die frühe Erstmeldung, parallel zur technischen Eindämmung. Wer Meldeweg, Verantwortliche und Vorlagen erst im Ernstfall sucht, reißt die Frist fast zwangsläufig. Und es geht mehr verloren als die Frist. Die Linie steht, jede Stunde kostet, und die Forensik beginnt bei null, wenn nirgends protokolliert ist, welcher Software-Stand auf welchem Leitrechner lief.

Was muss die Geschäftsleitung tun?

Die Geschäftsleitung muss die Maßnahmen nach § 30 umsetzen, ihre Umsetzung überwachen und regelmäßig an Schulungen teilnehmen (§ 38 BSIG). Verletzt sie diese Pflichten schuldhaft, haftet sie der eigenen Gesellschaft für den Schaden. Die Arbeit lässt sich delegieren, die Verantwortung nicht.

Nach einem Vorfall fragt deshalb niemand die IT-Abteilung, ob sie gut gearbeitet hat. Die Frage lautet, ob die Geschäftsführung belegen kann, dass sie die Umsetzung überwacht hat. Beantworten lässt sie sich nur mit datierten Beschlüssen, Berichten und Nachweisen, und zwar nicht rückwirkend.

Geschäftsführer liest mit dem Stift in der Hand einen ausgedruckten Bericht, ihm gegenüber erläutert die Informationssicherheitsbeauftragte, zwischen beiden ein Ordner mit orangen Registern und ein LaptopAI
Nachweis heißt: datierte Berichte, die die Geschäftsleitung gelesen und abgezeichnet hat.

Für das Unternehmen selbst sieht § 65 BSIG Bußgelder vor, wenn Maßnahmen fehlen oder Meldungen ausbleiben: bis 10 Mio € für besonders wichtige und bis 7 Mio € für wichtige Einrichtungen. Ab 500 Mio € Gesamtumsatz steigt der Rahmen auf 2 % beziehungsweise 1,4 % des weltweiten Umsatzes.

// 04Pipeline-Aufbau

Wie setzt man NIS2 in der CI/CD-Pipeline um?

In der CI/CD-Pipeline setzen Sie vor allem drei der zehn Maßnahmen um: Lieferkettensicherheit, sichere Entwicklung mit Schwachstellenmanagement und die Prüfung, ob die Maßnahmen wirken. SBOM, Dependency- und Code-Scans, Secrets-Prüfung, signierte Artefakte und revisionssichere Deployment-Protokolle laufen dort als automatische Gates und erzeugen den Nachweis bei jedem Release, statt einmal im Jahr bei einem manuellen Audit.

pipeline (NIS2-Gates, vereinfacht)
├── 01 sbom-generate     CycloneDX-SBOM pro Build-Artefakt erzeugen
├── 02 sca-scan          Abhängigkeiten gegen CVE-Datenbanken prüfen
├── 03 sast              Statische Analyse des eigenen Codes
├── 04 secrets-check     Keine Zugangsdaten im Repository
├── 05 sign-artifacts    Artefakte signieren, Build-Provenance ablegen
└── 06 audit-log         Deployment revisionssicher protokollieren

Wie die Gates auf die gesetzlichen Pflichten einzahlen, zeigt die Zuordnung. Jede Zeile verbindet eine Maßnahme aus § 30 Abs. 2 BSIG mit ihrer Umsetzung in der Pipeline.

Lieferkette
§ 30 Abs. 2 Nr. 4
SBOM pro Build-Artefakt (CycloneDX oder SPDX) und Dependency-Scan gegen CVE-Datenbanken. Jedes Release erzeugt den Nachweis für Kunden maschinenlesbar mit.
Sichere Entwicklung, Schwachstellenmanagement
§ 30 Abs. 2 Nr. 5
SAST, Secrets-Check und signierte Artefakte als harte Pipeline-Gates. Unsicherer Code bricht den Build ab, bevor er die Produktion erreicht.
Wirksamkeit der Maßnahmen
§ 30 Abs. 2 Nr. 6
Pipeline-Reports und Scan-Metriken pro Release. Statt einer jährlichen Stichprobe liegt für jeden Stand ein versionierter Nachweis vor.
Vorfälle bewältigen und melden
§ 30 Abs. 2 Nr. 2, § 32
Revisionssichere Deployment-Protokolle und Build-Provenance zeigen in Minuten, welcher Stand wo lief. Damit füllen Sie die 24-Stunden-Erstmeldung mit belastbaren Angaben.
Zugriffskontrolle und MFA
§ 30 Abs. 2 Nr. 9 und 10
Branch-Protection, signierte Commits und rollenbasierte Rechte in der CI/CD-Plattform kontrollieren Änderungen dort, wo Software entsteht.

Den Unterschied macht die Gate-Strategie. SBOM, Dependency-Scan und Secrets-Check laufen bei jedem Commit und brechen den Build bei kritischen Funden ab, tiefere Analysen wie DAST oder Container-Image-Audits laufen nachts. Die SBOM liegt dabei nicht als PDF im Ordner, sondern maschinenlesbar (CycloneDX oder SPDX) und versioniert neben jedem Artefakt. Genau das verlangen betroffene Kunden zunehmend in ihren Verträgen. Wie das praktisch aussieht, zeigt unsere Anleitung SBOM erstellen.

Dieselben Gates bedienen auch den Cyber Resilience Act (CRA) und IEC 62443. Wer die Nachweise einmal automatisiert hat, beantwortet Security-Fragebögen von Kunden und Auditoren aus der Pipeline. Sobald der erste Kunden-Fragebogen mit einem Export aus dem letzten Release beantwortet ist statt mit zwei Wochen Excel-Recherche, kippt das Thema im Haus erfahrungsgemäß vom Pflichtprogramm zum Verkaufsargument. Wie Comquent solche DevSecOps-Gates für NIS2 und CRA einführt, beschreibt die Leistungsseite.

Build-Engineerin und Vertriebsingenieur am Monitor mit einem Pipeline-Lauf aus grünen und einem orangen Balken, vor ihm ein ausgedruckter Sicherheitsfragebogen eines Kunden mit oranger MarkierungAI
Der Fragebogen des Kunden, beantwortet mit einem Export aus dem letzten Release.
// 05Umsetzung in 5 Schritten

Wie setzen Sie NIS2 in fünf Schritten um?

Die Reihenfolge folgt dem Gesetz: erst die Einstufung, dann die Registrierung, dann die Maßnahmen. Wer jetzt erst startet, sollte nicht auf weitere Konkretisierungen warten. Risikomanagement, Meldewege und Lieferketten-Nachweise aufzubauen dauert erfahrungsgemäß Monate.

  1. /01

    Betroffenheit prüfen und dokumentieren

    Die Einrichtungsart nach Anlage 1 oder 2 BSIG bestimmen, die Schwellen des § 28 BSIG abgleichen (Beschäftigte, Jahresumsatz und Jahresbilanzsumme) und das Ergebnis schriftlich festhalten. Auch wer nicht selbst pflichtig ist, klärt, welche Kunden ihre Anforderungen über die Lieferkette weitergeben.

  2. /02

    Beim BSI registrieren

    Zuerst ein Konto bei „Mein Unternehmenskonto“ anlegen, dann die Einrichtung im BSI-Portal registrieren. Die Frist beträgt drei Monate ab dem Zeitpunkt, an dem das Unternehmen unter das Gesetz fällt. Ändern sich die Angaben, sind sie binnen zwei Wochen nachzutragen.

  3. /03

    Risikomanagement aufbauen

    Die zehn Maßnahmen nach § 30 BSIG umsetzen und dokumentieren: Risikoanalyse, Vorfallbewältigung, Backup und Krisenmanagement, Lieferkettensicherheit, Kryptografie, Zugriffskontrolle, Schulungen. Die Geschäftsleitung setzt sie um, überwacht die Umsetzung und lässt sich regelmäßig schulen.

  4. /04

    Meldeweg für Sicherheitsvorfälle einrichten

    Verantwortliche, Vertretung und Vorlagen für die frühe Erstmeldung binnen 24 Stunden, die Meldung binnen 72 Stunden und die Abschlussmeldung nach einem Monat festlegen und den Ablauf üben, bevor der Ernstfall eintritt.

  5. /05

    Nachweise in die CI/CD-Pipeline verlagern

    SBOM-Erzeugung, Security-Scans (SCA, SAST), signierte Artefakte und revisionssichere Deployment-Protokolle als automatische Pipeline-Gates verankern. Dann entsteht der Nachweis bei jedem Release und nicht einmal im Jahr.

// 06Häufige Fragen

Häufige Fragen zur NIS2-Betroffenheit

Wie mache ich eine NIS2-Betroffenheitsprüfung?

Die Prüfung besteht aus vier Fragen. Fällt Ihre Tätigkeit unter eine Einrichtungsart der Anlage 1 oder 2 BSIG? Haben Sie mindestens 50 Beschäftigte oder Jahresumsatz und Jahresbilanzsumme von jeweils über 10 Mio €? Gehören Sie zu den Sonderfällen ohne Größenschwelle, etwa als KRITIS-Betreiber oder DNS-Diensteanbieter? Und beliefern Sie eine betroffene Einrichtung? Das BSI bietet dafür eine anonyme und unverbindliche Online-Betroffenheitsprüfung an. Halten Sie das Ergebnis schriftlich fest, auch wenn es „nicht betroffen“ lautet, denn bei einer Nachfrage müssen Sie es begründen.

Ist ein Maschinenbauer eine wichtige oder eine besonders wichtige Einrichtung?

Ein Maschinenbauer ist höchstens eine wichtige Einrichtung, auch mit mehreren tausend Beschäftigten. Der Maschinenbau steht im verarbeitenden Gewerbe der Anlage 2 BSIG, und besonders wichtige Einrichtungen gibt es nach § 28 Abs. 1 BSIG nur in den Sektoren der Anlage 1. Anders sieht es aus, wenn das Unternehmen zusätzlich eine kritische Anlage betreibt oder eine nicht vernachlässigbare Tätigkeit aus Anlage 1 ausübt.

Werden Konzerngesellschaften für NIS2 zusammengerechnet?

In der Regel ja. Für Beschäftigte, Umsatz und Bilanzsumme gilt die KMU-Empfehlung der EU (2003/361/EG), und die bezieht Partner- und verbundene Unternehmen ein. Das BSI-Gesetz macht eine Ausnahme: Ist eine Gesellschaft bei ihren IT-Systemen rechtlich, wirtschaftlich und tatsächlich unabhängig von der Gruppe, werden die Zahlen der anderen Gesellschaften nicht hinzugerechnet (§ 28 Abs. 4 BSIG). Für Tochtergesellschaften mit eigener IT hängt die Einstufung genau daran, und die Unabhängigkeit sollten Sie belegen können.

Was ist der Unterschied zwischen KRITIS und NIS2?

KRITIS ist die engere Gruppe. Betreiber kritischer Anlagen betreiben Anlagen oberhalb gesetzlich festgelegter Versorgungsschwellen, etwa ein Kraftwerk ab einer bestimmten Leistung. Sie gelten nach § 28 Abs. 1 BSIG unabhängig von ihrer Größe als besonders wichtige Einrichtung und müssen zusätzlich alle drei Jahre einen Nachweis nach § 39 BSIG erbringen. NIS2 erweitert den Kreis über Sektoren und Größenschwellen. Die Zahlen des BSI zeigen das Verhältnis: Von 20.141 registrierten Einrichtungen waren zum 30.09.2026 nur 1.447 Betreiber kritischer Anlagen.

Wann sind Geschäftstätigkeiten für NIS2 vernachlässigbar?

Bei der Zuordnung zu einer Einrichtungsart nach den Anlagen 1 und 2 dürfen Geschäftstätigkeiten unberücksichtigt bleiben, die im Verhältnis zur gesamten Geschäftstätigkeit vernachlässigbar sind (§ 28 Abs. 3 BSIG). Ein Maschinenbauer, der nebenher eine Kantine betreibt, wird deshalb nicht über den Sektor Lebensmittel erfasst. Eine feste Prozentgrenze nennt das Gesetz nicht, maßgeblich sind Umsatzanteil, Personaleinsatz und Bedeutung für das Geschäftsmodell. Die Einschätzung gehört dokumentiert, denn im Streitfall trägt das Unternehmen die Begründungslast.

Was passiert, wenn wir die Registrierung beim BSI versäumt haben?

Holen Sie die Registrierung sofort nach, eine Nachfrist sieht das BSI-Gesetz nicht vor. Die Pflichten aus § 30 und § 32 BSIG gelten ohnehin, ob Sie registriert sind oder nicht. Das BSI kann eine Einrichtung, die sich nicht registriert, im Einvernehmen mit der Aufsicht selbst registrieren und Unterlagen anfordern (§ 33 Abs. 3 und 4 BSIG). Eine fehlende oder verspätete Registrierung ist eine Ordnungswidrigkeit mit einem Bußgeldrahmen bis 500.000 € (§ 65 BSIG).

Ab wann gilt NIS2 in Deutschland?

Seit dem 6. Dezember 2025. An diesem Tag ist das NIS2-Umsetzungsgesetz in Kraft getreten, die Pflichten gelten seitdem ohne Übergangsfrist. Die Registrierungsfrist beim BSI endete am 6. März 2026. Bis zum 30. September 2026 hatten sich 20.141 Einrichtungen registriert, das BSI hatte mit rund 29.500 Betroffenen gerechnet.

Drohen bei NIS2-Verstößen Sanktionen?

Ja. Wer Maßnahmen nach § 30 nicht umsetzt oder Vorfälle nicht nach § 32 meldet, riskiert als besonders wichtige Einrichtung bis 10 Mio € Bußgeld, als wichtige Einrichtung bis 7 Mio €. Bei mehr als 500 Mio € Gesamtumsatz steigt der Rahmen auf 2 % beziehungsweise 1,4 % des weltweiten Umsatzes (§ 65 BSIG). Die Geschäftsleitung haftet der eigenen Gesellschaft für schuldhaft verursachte Schäden, wenn sie die Maßnahmen nicht umsetzt oder ihre Umsetzung nicht überwacht (§ 38 BSIG).

Was ist der Unterschied zwischen NIS2 und dem Cyber Resilience Act?

NIS2 reguliert Organisationen. Betroffene Einrichtungen müssen ihre eigene IT und ihre Lieferkette absichern. Der Cyber Resilience Act (CRA) reguliert Produkte: Hersteller von „Produkten mit digitalen Elementen“ müssen die Sicherheit über den gesamten Produktlebenszyklus nachweisen. In der Praxis überschneiden sich beide bei SBOM und Schwachstellenmanagement. Wer diese Nachweise in der CI/CD-Pipeline automatisiert, bedient beide Regelwerke aus derselben Infrastruktur.

Was hat NIS2 mit DevOps und CI/CD zu tun?

Mehrere Pflichten aus § 30 BSIG lassen sich in der CI/CD-Pipeline automatisieren: SBOM-Erstellung, Schwachstellen-Scans, signierte Artefakte, Build-Provenance und revisionssichere Deployment-Protokolle. Der Sicherheitsnachweis entsteht dann bei jedem Release statt einmal im Jahr bei einem manuellen Audit. Genau dort setzt DevSecOps an.

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